Getippte Drehbuchseiten mit Bleistift und Büroklammer auf einem Leinentisch

Das Fountain-Format ist eine offene Syntax, mit der du Drehbücher als reinen Text schreibst. Du tippst in einem beliebigen Texteditor und hältst dich an ein paar einfache Regeln: Szenenüberschriften in Großbuchstaben, Figurennamen in Großbuchstaben in einer eigenen Zeile, Übergänge mit TO: am Ende. Ein Drehbuchprogramm liest die Datei und setzt sie im üblichen Drehbuchformat.

Fountain entstand 2012, entwickelt vom Drehbuchautor John August und dem Filmemacher Stu Maschwitz, aufbauend auf einer älteren Idee namens Screenplay Markdown. Deshalb tragen manche Fountain-Dateien die Endung .spmd. Die Regeln sind offen veröffentlicht, jedes Programm kann sie also lesen und schreiben. Dieser Ratgeber erklärt, warum viele mit Fountain arbeiten, und geht die Syntax für jedes Element durch, mit den Stellen, an denen deutsche Drehbücher besondere Aufmerksamkeit brauchen.

Warum mit Fountain schreiben?

  • Reiner Text hält. Eine .fountain-Datei öffnet sich in jedem Texteditor auf jedem Gerät, heute und in zwanzig Jahren, ganz ohne Spezialsoftware.
  • Es funktioniert überall, wo du tippen kannst: in der Notiz-App auf dem Handy, in einem E-Mail-Entwurf, in einem Code-Editor.
  • Es passt zu Versionsverwaltung und Vergleichswerkzeugen, weil Änderungen Zeile für Zeile sichtbar sind.
  • Es wandert zwischen Programmen. Viele Drehbuchprogramme importieren und exportieren Fountain, es taugt also als neutrales Austauschformat.

Der Haken: Fountain ist ein Schreibformat, kein Seitenlayout. Seitenumbrüche, (MORE) und (CONT'D) berechnet das Programm, das die Datei formatiert. Von Hand getippt werden sie nicht.

Die Grundregeln des Fountain-Formats

Fountain erkennt die meisten Elemente an ihrer Form, weil sie dem Drehbuch-Aufbau entsprechen, den du schon kennst.

Szenenüberschriften

Eine Zeile, die mit INT, EXT, EST, INT./EXT oder I/E beginnt und eine Leerzeile darüber hat, ist eine Szenenüberschrift. Schreib sie in Großbuchstaben, so wie auf der Seite.

Handlung

Jeder Absatz, der kein anderes Element ist, ist Handlung. Schreib sie in normaler Schreibung, mit Leerzeilen zwischen den Absätzen.

Figurennamen und Dialog

Eine Zeile komplett in Großbuchstaben, mit einer Leerzeile darüber und Text direkt darunter, ist ein Figurenname; die Zeilen darunter sind Dialog. Zusätze wie (V.O.), (O.S.) oder (OFF) stehen hinter dem Namen.

Regieanweisungen

Eine Zeile in runden Klammern innerhalb einer Rede, nach dem Namen oder zwischen zwei Dialogzeilen, ist eine Regieanweisung.

Übergänge

Eine Zeile in Großbuchstaben, die auf TO: endet und Leerzeilen um sich hat, ist ein Übergang, etwa CUT TO:.

INT. LEUCHTTURM - NACHT

Die Lampe dreht sich. Fenja zählt an den Fingern die Sekunden zwischen den Blitzen.

FENJA
(leise)
Neun. Es müssten zehn sein.

CUT TO:

EXT. KLIPPENPFAD - DURCHGEHEND

Dieses Beispiel ist gültiges Fountain, genau so getippt: Jedes Element wird allein an Position und Großbuchstaben erkannt.

Elemente erzwingen

Würde eine Zeile falsch gelesen, erzwingt ein einzelnes Zeichen am Anfang das gewünschte Element:

  • Ein Punkt (.) erzwingt eine Szenenüberschrift, für Überschriften, die nicht mit INT oder EXT beginnen, etwa .DIE LEERE.
  • Ein At-Zeichen (@) erzwingt einen Figurennamen, für Namen mit Kleinbuchstaben, etwa @McKAY.
  • Ein Ausrufezeichen (!) erzwingt Handlung, für eine Zeile in Großbuchstaben, die kein Name ist, etwa !KNALL.
  • Ein Größer-als-Zeichen (>) erzwingt einen Übergang, für Übergänge, die nicht auf TO: enden, etwa >ABBLENDE.

Das Fountain-Format mit deutschen Drehbüchern

Die automatische Erkennung ist auf englische Konventionen gebaut. Für ein deutsches Drehbuch lohnen sich drei Gewohnheiten:

  • Szenenköpfe mit INNEN, AUSSEN oder einer Szenennummer am Anfang bekommen einen Punkt davor: .1. INNEN. KÜCHE - NACHT. Mit INT. und EXT. erkennt Fountain sie von selbst.
  • Deutsche Übergänge wie SCHNITT AUF:, ÜBERBLENDUNG AUF: oder ABBLENDE. enden nicht auf TO: und brauchen ein > davor.
  • Namen mit Umlauten wie JÖRG oder ÄNNE erkennen die meisten Programme als Figurennamen, aber nicht alle. Wo einer nicht erkannt wird, hilft ein @ davor: @JÖRG. Ein ß schreibst du in Großbuchstaben als SS, also STRAUSS statt STRAUß.

Die Schlüssel der Titelseite bleiben englisch (Title:, Credit:, Author:), die Werte schreibst du auf Deutsch. Eine fertige deutsche Fountain-Datei zum Ausprobieren findest du bei der Drehbuch-Vorlage.

Zentrierter Text, Hervorhebung und Seitenumbrüche

  • Zentrierter Text steht zwischen > und <, etwa >ENDE<.
  • Hervorhebungen folgen der Markdown-Gewohnheit: *kursiv*, **fett** und _unterstrichen_.
  • Drei oder mehr Gleichheitszeichen (===) in einer eigenen Zeile erzwingen einen Seitenumbruch.
  • Doppeldialog: Ein Caret (^) hinter dem Namen der zweiten Figur setzt die Reden nebeneinander; siehe den Ratgeber zu simultanen Dialogen.
  • Liedtexte: Beginne die Zeile mit einer Tilde (~).

Notizen, Abschnitte und Titelseite

Fountain trägt auch Material, das nicht zum gedruckten Drehbuch gehört:

  • Notizen stehen in doppelten eckigen Klammern, [[so wie hier]], und bleiben auf der formatierten Seite unsichtbar.
  • Text zwischen /* und */ ist der Knochenacker (Boneyard): nicht im Ergebnis, aber in der Datei aufbewahrt.
  • Zeilen mit # am Anfang sind Abschnitte, etwa Akte oder Sequenzen, Zeilen mit = sind Kurzbeschreibungen. Beides dient dem Ordnen, nicht dem Druck.
  • Die Titelseite steht ganz oben in der Datei, als Zeilen aus Schlüssel und Wert wie Title:, Credit:, Author: und Draft date:.
Title: Der neunte Blitz
Credit: Drehbuch von
Author: Rieke Okafor
Draft date: 1. Fassung, 3. November 2026

# ERSTER AKT

= Fenja merkt, dass mit dem Licht etwas nicht stimmt.

.1. INNEN. LEUCHTTURM - NACHT

Fountain und Final-Draft-Dateien

Fountain und Final Draft (.fdx) erfüllen verschiedene Aufgaben. Eine .fdx-Datei speichert ein formatiertes Dokument mit seinen Einstellungen; eine .fountain-Datei speichert nur die Wörter und ihre Elemente. Viele schreiben oder archivieren in Fountain und tauschen .fdx mit Produktionen aus, die das erwarten. Worauf es bei der Wahl der Werkzeuge ankommt, erklärt der Ratgeber zu kostenloser Drehbuch-Software.

Fountain in Scenaloom

Scenaloom importiert Fountain-Dateien (.fountain und .spmd) neben Final Draft (.fdx) und PDF und exportiert Fountain ebenso wie PDF, Final Draft, Word, reinen Text und Markdown. Du kannst ein Drehbuch auch auf der Seite Neu einfügen und daraus ein Projekt beginnen. Siehe Import und Export oder beginne ein Drehbuch.

Um eine Fountain-Datei ohne Installation in ein PDF oder eine Final-Draft-Datei zu verwandeln, öffne sie im kostenlosen Drehbuch-Formatierer.

Häufige Fragen

Was ist eine Fountain-Datei?

Ein Drehbuch als reiner Text, meist mit der Endung .fountain, geschrieben in der offenen Fountain-Syntax. Die Datei öffnet sich in jedem Texteditor, und Drehbuchprogramme lesen sie und setzen sie als normale Drehbuchseiten. Manche ältere Dateien tragen die Endung .spmd aus der Zeit von Screenplay Markdown.

Wie öffne ich eine .fountain-Datei?

In jedem Texteditor als reinen Text. Um sie als formatiertes Drehbuch zu sehen, öffnest oder importierst du sie in einem Programm, das Fountain liest. Scenaloom importiert .fountain- und .spmd-Dateien und zeigt sie im Browser als formatierte Drehbuchseiten.

Ist Fountain kostenlos?

Ja. Fountain ist eine offene Syntax mit öffentlicher Spezifikation. Jeder kann in jedem Texteditor damit schreiben, und jedes Programm darf sie unterstützen. Für das Format selbst fallen keine Lizenzgebühren an, die Programme, die es formatieren, haben aber eigene Preise.

Funktioniert Fountain mit deutschen Drehbüchern?

Ja. Mit INT. und EXT. werden Szenenköpfe automatisch erkannt, und Umlaute verstehen die meisten Programme; wird ein Name mit Umlaut nicht als Figur erkannt, setz ein @ davor. Schreibst du INNEN und AUSSEN oder setzt die Szenennummer an den Anfang, stellst du einen Punkt vor die Zeile. Deutsche Übergänge wie SCHNITT AUF: bekommen ein > davor.

Kann ich Fountain in Final Draft umwandeln?

Ja, mit einem Programm, das Fountain liest und .fdx schreibt. In Scenaloom importierst du die .fountain- oder .spmd-Datei, prüfst die Seiten und exportierst als Final Draft (.fdx), PDF, Word oder reinen Text. Der FDX-Export behält Fett, Kursiv und Unterstreichung. Siehe Import und Export.