
Ein Treatment ist beim Film die Prosafassung der ganzen Geschichte, von der ersten bis zur letzten Szene, im Präsens erzählt und fast ohne Dialog. Es entsteht vor dem Drehbuch, ist ausführlicher als ein Exposé und zeigt, wer die Figuren sind, wie die Handlung verläuft, welchen Ton der Film hat und wie er endet.
In der deutschen Stoffentwicklung ist das Treatment eine feste Stufe: nach Idee, Logline und Exposé, vor der ersten Drehbuchfassung. Produktionsfirmen, Redaktionen und Förderer verlangen es, bevor sie ein Drehbuch beauftragen oder fördern. Viele schreiben es aber auch für sich selbst, um zu prüfen, ob die Geschichte trägt, bevor sie hundert Seiten Drehbuch investieren.
Was ist ein Treatment beim Film?
Das Treatment ist der Zwischenschritt zwischen Idee und Drehbuch: länger und anschaulicher als ein Exposé, kürzer und weniger genau als ein Drehbuch. Es erzählt die vollständige Handlung in Prosa, gegliedert nach Akten oder Sequenzen, und vermittelt, wie sich der Film beim Zuschauen anfühlen wird.
Der Begriff wird nicht überall gleich benutzt. Für die eine Produktion sind fünf Seiten schon ein Treatment, die andere erwartet dreißig Seiten mit einzelnen Dialogsätzen, was im Englischen manchmal Scriptment heißt. Beim Dokumentarfilm beschreibt das Treatment keine Handlung, sondern Thema, Protagonistinnen und Protagonisten, Zugang und filmische Umsetzung. Wenn jemand ein Treatment verlangt, frag deshalb nach Länge und Zweck.
Exposé, Treatment, Szenenfolge und Drehbuch
Alle vier Texte beschreiben dieselbe Geschichte, aber für unterschiedliche Leser und Aufgaben.
| Text | Länge | Inhalt | Für wen |
|---|---|---|---|
| Logline | Ein Satz | Hauptfigur, Ziel, Hindernis | Alle, die in zehn Sekunden entscheiden |
| Exposé | Meist 1 bis 5 Seiten | Die ganze Geschichte knapp in Prosa, mit Ende | Produktion, Redaktion, Förderung |
| Treatment | Etwa 10 bis 30 Seiten | Der Film Szene für Szene im Präsens, kaum Dialog | Wer beurteilen soll, ob ein Drehbuch entstehen soll |
| Szenenfolge (Step-Outline) | Eine Zeile pro Szene | Ort, Figuren, was sich ändert | Vor allem du selbst, als Arbeitsplan |
| Drehbuch | Etwa 1 Seite pro Minute | Alle Szenen mit Dialog im Drehbuchformat | Produktion, Besetzung und Team |
Wie ein Exposé aufgebaut ist, erklärt der Ratgeber Exposé schreiben; die Szenenfolge findest du unter Plot schreiben, das fertige Format im Ratgeber zum Drehbuchformat.
Wie lang ist ein Treatment?
Für einen Spielfilm hat ein Treatment in der Praxis meist 10 bis 30 Seiten. Ein kurzes Treatment, das vor allem ein Projekt verkaufen soll, kommt mit fünf bis zehn Seiten aus; ein ausgearbeitetes Entwicklungstreatment, mit dem eine Produktion die ganze Geschichte vor der Drehbuchbeauftragung durchdenken will, kann 40 Seiten und mehr haben.
Eine feste Regel gibt es nicht. Die richtige Länge ist die kürzeste, die die ganze Geschichte mit ihrem Ton erzählt. Für einen Kurzfilm reichen meist ein bis zwei Seiten. Verlangt eine Ausschreibung oder eine Förderrichtlinie eine bestimmte Seitenzahl, gilt genau diese.
Was in ein Treatment gehört

- Titel und Logline: der Arbeitstitel und ein Satz, der die Geschichte zusammenfasst, ganz oben. Wie der Satz gelingt, steht im Ratgeber zur Logline.
- Hauptfiguren: zu jeder der zwei bis vier wichtigsten Figuren ein kurzer Absatz. Wer sie ist, was sie will und was mit ihr nicht stimmt.
- Ort, Zeit und Ton: wo und wann die Geschichte spielt und wie sie sich anfühlt, in ein, zwei Sätzen statt einer Abhandlung.
- Die Handlung, Akt für Akt: der Hauptteil, in Prosa und im Präsens. Die Szenen, die die Geschichte wenden, bekommen Raum.
- Das Ende, immer. Ein Treatment, das sein Ende verschweigt, lässt sich nicht beurteilen.
Für Förderanträge kommen oft eine kurze Begründung dazu, warum dieser Stoff erzählt werden soll, und ein paar Sätze zur eigenen Person. Ob das ins Treatment gehört oder in ein Begleitschreiben, regeln die Richtlinien der jeweiligen Förderung. Gibt dir jemand ein Format vor, halte dich daran.
Ein Treatment schreiben: so gehst du vor
Für ein Treatment beginnst du mit einer Logline und einer Liste der Wendepunkte und erzählst die Geschichte dann im Präsens und in der dritten Person. Den meisten Raum geben die Szenen, die die Geschichte verändern, und beschrieben wird, was das Publikum sieht und hört.
- Leg die Struktur fest, bevor du schreibst: auslösendes Ereignis, Aktwechsel, Mittelpunkt, Höhepunkt. Ein Beat Sheet ist ein guter Ausgangspunkt.
- Schreib im Präsens: „Mira zieht Unkraut“, nicht „Mira zog Unkraut“. Das gilt im Treatment genauso wie im Drehbuch.
- Schreib bildhaft. Beschreib, was eine Kamera zeigen und ein Mikrofon aufnehmen kann, nicht was eine Figur insgeheim denkt.
- Gib den Schlüsselszenen Raum. Jeder Wendepunkt bekommt einen eigenen Absatz, Übergänge fasst du in einem Satz zusammen.
- Setz Dialog sparsam ein. Ein oder zwei Sätze können den Ton einer Figur zeigen; ganze Gespräche gehören ins Drehbuch.
- Trag den Ton des Films in die Sprache. Ein Horror-Treatment darf beim Lesen beunruhigen, eine Komödie zum Schmunzeln bringen.
- Heb die Hauptfiguren bei ihrem ersten Auftritt hervor, viele schreiben den Namen dann in Großbuchstaben, mit Alter oder einem prägenden Merkmal.
Treatment-Beispiel: „Ablöse“
Dieses kurze Treatment ist eigens für diesen Ratgeber geschrieben. Es würde für einen Kurzspielfilm von etwa 15 Minuten reichen.
Ablöse
Logline: Nach dem Tod ihres Vaters haben zwei entfremdete Geschwister eine Woche Zeit, seinen Schrebergarten zu räumen, und müssen entscheiden, ob sie ihn verkaufen.
Herbst in einer Kleingartenanlage am Stadtrand. MIRA (28) kniet im Beet ihres Vaters und zieht Unkraut, als wäre der Garten noch zu retten. Sie hat ihn in den letzten Jahren kaum besucht. Ihr Bruder JONAS (31), der den Vater bis zuletzt gepflegt hat, misst mit dem Zollstock die Laube aus. Der Kleingartenverein will die Schlüssel bis Sonntag.
Jonas hat schon einen Nachfolger, der die Ablöse für Laube und Obstbäume zahlen will, und er braucht das Geld. Als er von dem Käufer erzählt, steht Mira auf, nimmt ihm den Zollstock aus der Hand und sagt nur: „Dann soll er warten.“
Beim Ausräumen finden die beiden unter der Spüle die Gartentagebücher des Vaters: dreißig Jahre Aussaattermine, Frostnächte und Regenmengen, am Rand kurze Notizen über seine Kinder. Über Jonas steht viel, über Mira fast nichts. Sie liest heimlich weiter, er tut, als hätte er die Hefte nie geöffnet.
Am Samstag kommt der Käufer mit seiner kleinen Tochter, und der Vereinsvorsitzende schreitet mit Klemmbrett die Hecke ab. Mira verweigert die Unterschrift. Im Streit wirft Jonas ihr vor, nie da gewesen zu sein, und sie ihm, den Vater für sich behalten zu haben. Danach findet Mira die letzte Notiz, vom Frühjahr: ihr Name neben dem Wort Knoblauch. Als Kind hatte sie das Beet am Tor.
Am Sonntag übergibt Jonas die Schlüssel. Mira hat die Tagebücher eingepackt. Bevor sie geht, steckt sie vor der Laube eine Reihe Knoblauch, für eine Ernte, die sie nicht mehr sehen wird. Die Tochter des Käufers schaut ihr dabei zu.
Das Beispiel erzählt die ganze Geschichte in gut 250 Wörtern. Die Figuren zeigen sich durch das, was sie tun, jeder Wendepunkt hat seinen eigenen Absatz, es gibt einen einzigen wörtlichen Satz, und das Ende ist ein Bild statt einer Erklärung. Ein Exposé zu derselben Geschichte wäre ein einziger Absatz; das Drehbuch würde aus jedem Absatz zwei oder drei Szenen machen.
Häufige Fehler im Treatment
- Werbetext statt Geschichte. Sätze wie „ein Film, der alle bewegt“ ersetzen keine Ereignisse.
- Vorgeschichte, die nie in der Handlung ankommt. Drei Absätze über die Kindheit der Hauptfigur verlieren jeden Leser.
- Innenleben statt Bilder. „Sie fühlt sich verloren“ lässt sich schwer drehen; beschreib, was sie tut.
- Kameraanweisungen. Beschreib, was wir sehen, nicht wie es gedreht wird.
- Zu viel Dialog. Wenn das Treatment zum Drehbuch wird, schreib das Drehbuch. Wie, steht im Ratgeber Drehbuch schreiben.
- Kein Ende, oder ein Ende, das nur angedeutet wird.
- Falsche Länge. Ein Treatment mit 60 Seiten, wo zehn verlangt sind, wird oft gar nicht gelesen.
Ein Treatment schreiben in Scenaloom
In Scenaloom ist die Gliederung jedes Projekts ein formatierbarer Text. Dort kannst du dein Treatment schreiben, gleich neben den Beats und dem Szenenboard, aus denen später das Drehbuch wird. Im Weltbild stehen Logline, zentrales Thema und deine Notizen zu den Figuren; Scenaloom AI liest sie, wenn du um Hilfe bittest, und macht Vorschläge, die du übernimmst oder verwirfst. Ein vorhandenes Exposé oder deine Recherchen lädst du als Wissensdatei hoch, etwa als .docx, .pdf oder .txt. Mehr in der Hilfe zu Gliederung und Beats, oder leg ein Projekt an.
Häufige Fragen
Was ist ein Treatment beim Film?
Ein Treatment ist eine Prosafassung der ganzen Filmgeschichte im Präsens, die zwischen Exposé und Drehbuch steht. Es beschreibt Hauptfiguren, Schlüsselszenen, Ton und Ende auf einigen gut lesbaren Seiten und dient dazu, ein Projekt anzubieten oder ein Drehbuch zu planen, bevor es geschrieben wird.
Wie lang ist ein Treatment?
Für einen Spielfilm meist 10 bis 30 Seiten, ausgearbeitete Entwicklungstreatments auch 40 Seiten und mehr. Für einen Kurzfilm reichen ein bis zwei Seiten. Wenn eine Produktion, ein Sender oder eine Förderung eine Länge vorgibt, halte dich genau daran.
Enthält ein Treatment Dialoge?
Kaum. Das Treatment erzählt in beschreibender Prosa, und ein oder zwei wörtliche Sätze stehen nur dort, wo sie die Stimme einer Figur oder einen Schlüsselmoment einfangen. Füllt sich ein Treatment mit Dialog, ist das meist ein Zeichen, dass du bereit für das Drehbuch bist.
Was ist der Unterschied zwischen Exposé und Treatment?
Das Exposé fasst die Geschichte auf ein bis fünf Seiten zusammen und nennt das Ende. Das Treatment ist deutlich länger und erzählt Szene für Szene, mit Ton und Figuren, so wie der Film abläuft. Beide verraten das Ende. Mehr im Ratgeber Exposé schreiben.
Brauche ich ein Treatment, bevor ich das Drehbuch schreibe?
Nein, Pflicht ist es nicht, und viele gehen von der Szenenfolge oder dem Beat Sheet direkt ins Drehbuch. Ein Treatment lohnt sich, wenn jemand es verlangt, wenn du eine Förderung oder einen Auftrag brauchst, bevor du schreibst, oder wenn du prüfen willst, ob die Geschichte hält.
Braucht ein Kurzfilm ein Treatment?
Meist nicht. Für einen Kurzfilm reichen in der Regel eine Logline und eine Seite Handlung, danach kannst du direkt das Drehbuch schreiben. Manche Hochschulen und Förderungen verlangen trotzdem ein Treatment; dann richtest du dich nach deren Vorgaben.