Getippte Drehbuchseiten mit Bleistift und Büroklammer auf einem Leinentisch

Ein Beat Sheet, im Deutschen oft auch Szenenplan genannt, ist eine kurze Liste der Wendepunkte einer Geschichte: der Momente, an denen sich ihre Richtung ändert, in der richtigen Reihenfolge und jeweils dort, wo sie ungefähr im Drehbuch liegen. Es steht zwischen Logline und Szenenübersicht: länger als ein Satz, viel kürzer als eine Liste aller Szenen und der schnellste Weg zu sehen, ob eine Geschichte eine tragfähige Form hat.

Mit einem Beat Sheet planst du eine Fassung, findest heraus, warum eine bestehende durchhängt, oder pitchst eine Geschichte in wenigen Minuten. Die drei verbreitetsten Vorlagen sind die Drei-Akt-Struktur, ein Beat Sheet mit fünfzehn Beats und die Heldenreise. Sie beschreiben dieselbe Grundform, nur unterschiedlich fein. Wer genau sein will, unterscheidet übrigens: Ein Beat Sheet nennt nur die großen Wendungen, ein ausgearbeiteter Szenenplan oder Step Outline führt schon jede Szene auf.

Was ist ein Beat im Drehbuch?

Ein Beat ist eine einzelne Veränderung in der Geschichte: eine Entscheidung, eine Entdeckung oder eine Umkehrung, nach der nichts mehr so ist wie vorher. Das Wort wird in zwei Größen benutzt. Im Beat Sheet ist ein Beat eine große Wendung wie das auslösende Ereignis oder der Midpoint. Innerhalb einer Szene ist ein Beat ein kleiner Wechsel in der Taktik einer Figur, und im englischen Drehbuch steht „(beat)“ für eine kurze Pause, im deutschen meist „(Pause)“.

Die Drei-Akt-Struktur

Die Drei-Akt-Struktur teilt eine Geschichte in Exposition, Konfrontation und Auflösung, im Verhältnis von ungefähr einem Viertel, einer Hälfte und einem Viertel. Sie ist die älteste und lockerste der drei Vorlagen, und die meisten anderen Beat Sheets sind Unterteilungen von ihr.

  • Erster Akt (etwa die ersten 25 Prozent): das gewohnte Leben der Hauptfigur, das auslösende Ereignis, das es stört, und die Entscheidung zu handeln. Er endet, wenn die Hauptfigur sich festlegt und nicht mehr einfach umkehren kann.
  • Zweiter Akt (etwa 25 bis 75 Prozent): wachsende Hindernisse, ein Midpoint, der den Einsatz erhöht oder das Ziel verändert, und ein Abgleiten zum Tiefpunkt.
  • Dritter Akt (etwa die letzten 25 Prozent): Die Hauptfigur setzt ein, was sie gelernt hat, stellt sich dem Höhepunkt, und die Geschichte findet zu einer neuen Ordnung.

Bei einem Spielfilm von 110 Seiten liegt das Ende des ersten Akts damit um Seite 27, der Midpoint um Seite 55 und der Beginn des dritten Akts um Seite 82. Nimm das als Wegmarken, nicht als Fristen. Viele gute Filme weichen ein paar Seiten ab. Ausführlich erklärt das der Ratgeber zur 3-Akt-Struktur.

Das Beat Sheet mit fünfzehn Beats (Save the Cat)

Das Beat Sheet mit fünfzehn Beats teilt die drei Akte in fünfzehn benannte Momente. Die bekannteste Fassung stammt aus Blake Snyders Buch Save the Cat! von 2005, deshalb heißt sie oft einfach Save the Cat Beat Sheet. Snyders eigene Erklärungen lohnen die Lektüre. Hier unsere Zusammenfassung der Form in eigenen Worten, mit den Bezeichnungen, die Scenaloom verwendet:

  1. Eröffnungsbild: zeigt die Welt und das Problem der Hauptfigur, bevor sich etwas ändert.
  2. Thema benannt: ein Hinweis auf das Thema, oft ein Satz, den jemand zur Hauptfigur sagt und den sie noch nicht hören will.
  3. Ausgangslage: das Leben der Hauptfigur, ihre Schwächen und was ihr fehlt.
  4. Katalysator, bei etwa 10 Prozent: das Ereignis, das ihr Leben aus dem Gleichgewicht bringt.
  5. Zögern: Die Hauptfigur sträubt sich oder stellt den Aufbruch infrage.
  6. Übergang in den zweiten Akt, bei etwa 20 bis 25 Prozent: Sie entscheidet sich, eine neue Lage zu betreten.
  7. B-Handlung: eine zweite Geschichte, oft eine Beziehung, die das Thema trägt.
  8. Spiel und Spaß: die Strecke, in der die Geschichte einlöst, was die Prämisse verspricht.
  9. Mittelpunkt bei 50 Prozent: ein falscher Sieg oder eine falsche Niederlage, die den Einsatz erhöht.
  10. Die Gegner rücken näher: Der Druck wächst von außen und von innen, der Plan der Hauptfigur bekommt Risse.
  11. Alles ist verloren, bei etwa 75 Prozent: Etwas Wichtiges geht verloren.
  12. Dunkle Nacht der Seele: die Reaktion der Hauptfigur auf den Verlust, die dunkelste Strecke vor einer neuen Idee.
  13. Übergang in den dritten Akt: A- und B-Handlung verbinden sich zu einer Lösung.
  14. Finale: Die Hauptfigur wendet an, was sie gelernt hat.
  15. Schlussbild: spiegelt das Eröffnungsbild und zeigt, wie viel sich verändert hat.

Die Stärke dieser Vorlage ist ihre Genauigkeit: Sie sagt dir, welche Art von Ereignis wohin gehört. Ihre Schwäche ist dieselbe Genauigkeit. Wer ihr zu wörtlich folgt, bekommt Geschichten, die wie aus einem Bausatz zusammengesteckt wirken.

Beat-Sheet-Vorlage mit Seitenzahlen

Die übliche Lage jedes Beats, als Anteil an der Geschichte und als Seite in einem Drehbuch von 110 und von 90 Seiten. Die 90 Seiten passen etwa zu einem Fernsehfilm. Die Positionen sind Konventionen, keine Regeln. Nutze sie, um zu sehen, welche Beats verrutschen, nicht um eine Szene auf eine bestimmte Seite zu zwingen.

BeatAnteilSeite (110)Seite (90)
Eröffnungsbild0 %11
Thema benannt5 %65
Ausgangslage6 %75
Katalysator10 %119
Zögern12 %1311
Übergang in den zweiten Akt20 %2218
B-Handlung22 %2420
Spiel und Spaß27 %3024
Mittelpunkt50 %5545
Die Gegner rücken näher55 %6150
Alles ist verloren68 %7561
Dunkle Nacht der Seele70 %7763
Übergang in den dritten Akt77 %8569
Finale80 %8872
Schlussbild99 %10989

Beat-Sheet-Vorlage (PDF)Drei Akte, fünfzehn Beats und Heldenreise mit Seitenzielen und einer Spalte für deine Geschichte. Die Vorlage ist auf Englisch.

Beat-Sheet-Vorlage (CSV)Dieselben drei Strukturen für Google Sheets, Excel oder Numbers, ebenfalls auf Englisch.

Vorschau der ersten Seite der Beat-Sheet-Vorlage als PDF

Die zehn Geschichtentypen bei Save the Cat

Snyder sortiert Filme in seinem Buch außerdem in zehn Geschichtentypen, nach ihrem Antrieb statt nach ihrem Schauplatz: Monster in the House (ein Monster im abgeschlossenen Raum), Golden Fleece (die Suche nach einem Schatz oder Ziel), Out of the Bottle (ein Wunsch, der Wirklichkeit wird), Dude with a Problem (ein gewöhnlicher Mensch in außergewöhnlicher Not), Rites of Passage (eine Lebenskrise), Buddy Love (eine Beziehung, die beide verändert), Whydunit (die Frage nach dem Warum), Fool Triumphant (der Außenseiter, der triumphiert), Institutionalized (der Einzelne und die Gruppe) und Superhero. Der Sinn der Liste ist der Vergleich: Weißt du, welche Art Geschichte du erzählst, kannst du an anderen derselben Art studieren, wie sie dieselben Beats gelöst haben.

Die Heldenreise

Die Heldenreise ist ein Muster aus Aufbruch, Prüfung und Rückkehr, das Joseph Campbell 1949 in „Der Heros in tausend Gestalten“ aus Mythen vieler Kulturen herausgearbeitet hat. Christopher Vogler übertrug es für Drehbuchautoren in „Die Odyssee des Drehbuchschreibers“ auf zwölf Stationen: Gewohnte Welt, Ruf zum Abenteuer, Weigerung, Begegnung mit dem Mentor, Überschreiten der Schwelle, Prüfungen, Verbündete, Feinde, Annäherung, Feuerprobe, Belohnung, der Rückweg, Auferstehung und Rückkehr mit dem Elixier.

Die Heldenreise passt zu Suchgeschichten, Fantasy, Abenteuer und Coming-of-Age, in denen eine Figur tatsächlich oder im übertragenen Sinn ihr Zuhause verlässt. Michael Endes „Die unendliche Geschichte“ ist ein Klassiker dieser Form. Weniger natürlich passt sie zu Ensemblestücken und zu Geschichten, deren Hauptfigur sich nicht verändert.

Drei Akte, fünfzehn Beats oder Heldenreise?

  • Nimm die Drei-Akt-Struktur, wenn du den leichtesten Rahmen willst: in der frühen Entwicklung, für Kurzfilme oder für eine Geschichte, die du schon intuitiv spürst.
  • Nimm das Beat Sheet mit fünfzehn Beats, wenn der Mittelteil durchhängt oder du bei einem Publikumsfilm das Tempo Seite für Seite prüfen willst.
  • Nimm die Heldenreise, wenn die Geschichte von Verwandlung durch eine Reise erzählt und dir Figuren wie Mentor, Schwellenhüter und Feuerprobe helfen, die Welt zu bevölkern.

Die drei sind keine Konkurrenten. Viele skizzieren zuerst drei Akte und füllen den zweiten dann mit einem feineren Beat Sheet.

Beat Sheet schreiben in sechs Schritten

  1. Schreib zuerst die Logline. Gelingt sie nicht, legt das Beat Sheet die Lücke offen. Mehr im Ratgeber Was ist eine Logline?.
  2. Leg das Ende vor der Mitte fest. Kennst du den Höhepunkt, weißt du, was die Hauptfigur lernen muss, und daraus folgt, was der Midpoint vorbereiten muss.
  3. Trag die Aktwechsel und den Midpoint ein, dann das auslösende Ereignis und den Tiefpunkt.
  4. Formuliere jeden Beat als Ereignis mit Folge („Mara nimmt das Geld, also steckt sie jetzt mit drin“), nicht als Stimmung.
  5. Vergleiche die Positionen mit deiner Ziellänge und verschieb Beats, die weit von ihrem üblichen Platz abdriften.
  6. Erweitere jeden Beat um die Szenen, die nötig sind, um dorthin zu kommen. Diese Liste ist deine Szenenübersicht.

Ein Beispiel für ein Beat Sheet

Hier ein kurzes Beat Sheet in drei Akten für einen Spielfilm, entwickelt aus Last Call, dem Beispiel für einen Cold Open aus unserem Drehbuchmuseum. Darin bringt ein junger Mann der Besitzerin eines Diners eine Tasche voller Geld von seinem toten Vater:

  • Anfang: Mara führt ein Diner, das die ganze Nacht offen hat, und hält alle auf Abstand, auch sich selbst.
  • Auslösendes Ereignis: Jonas kommt mit einer Tasche Geld, die ihm offenbar sein Vater geschickt hat, seit sechs Jahren tot.
  • Ende des ersten Akts: Scheinwerfer vor der Tür. Mara versteckt Jonas, statt die Polizei zu rufen, und steckt jetzt mit drin.
  • Midpoint: Sie erfahren, dass der Vater seinen Tod nur vorgetäuscht hat, und dass noch jemand davon weiß.
  • Tiefpunkt: Die Leute, die hinter dem Geld her sind, nehmen ihr das Diner, das Einzige, was Mara nie aufs Spiel setzen wollte.
  • Höhepunkt: Mara nutzt, was sie über ihren alten Freund weiß, und tauscht das Geld gegen Jonas' Freiheit.
  • Schluss: Das Diner öffnet wieder. Mara schenkt einen zweiten Kaffee ein und setzt sich zu jemandem.

Ein Beat Sheet in Scenaloom anlegen

Unter Gliederung → Beats kannst du mit einer Struktur beginnen: Drei-Akt-Struktur, Fünfzehn-Beat-Plan oder Heldenreise. Jeder Beat liegt dann an seinem üblichen Anteil deiner Ziellänge, voreingestellt sind 110 Seiten. Die Story-Map markiert Seiten, die über die Ziellänge hinausgehen, und Beats und Gliederung lassen sich zusammen mit der Fassung exportieren. Wie das funktioniert, steht in Gliederung und Beats, oder du beginnst gleich ein Projekt.

Auf welcher Seite jeder Beat bei deiner eigenen Länge landet, rechnet der kostenlose Beat-Sheet-Rechner für dich aus.

Häufige Fragen

Was ist ein Save the Cat Beat Sheet?

Das Save the Cat Beat Sheet ist die Vorlage mit fünfzehn Beats aus Blake Snyders Drehbuchratgeber Save the Cat! von 2005. Sie teilt einen Spielfilm in fünfzehn Wendepunkte, vom Eröffnungsbild bis zum Schlussbild, jeweils mit einer ungefähren Seitenzahl. Man nutzt sie, um das Tempo zu planen und herauszufinden, wo der Mittelteil einer Fassung an Fahrt verliert.

Ist ein Beat Sheet dasselbe wie ein Szenenplan?

Die Begriffe werden oft gleich verwendet. Genau genommen listet ein Beat Sheet nur die großen Wendepunkte, meist auf einer Seite, während ein ausgearbeiteter Szenenplan oder eine Szenenübersicht jede Szene der Reihe nach aufführt und mehrere Seiten lang ist. Die meisten schreiben zuerst das Beat Sheet und erweitern dann jeden Beat um die Szenen, die dorthin führen.

Wie viele Beats hat ein Beat Sheet?

So viele, wie deine Vorlage vorsieht. Gliederungen in drei Akten nennen oft fünf bis acht Wendungen, das verbreitete Beat Sheet hat fünfzehn Beats, die Heldenreise in Voglers Fassung zwölf Stationen. Eine richtige Zahl gibt es nicht. Entscheidend ist, ob jeder Beat die Richtung der Geschichte ändert.

Folgt jeder Film der Drei-Akt-Struktur?

Nicht streng. Viele Filme lassen sich im Nachhinein in drei Akte teilen, aber etliche nutzen fünf Akte, nichtlineare Zeitebenen oder eine episodische Form. Betrachte drei Akte als Werkzeug, um die Wendepunkte einer Geschichte zu finden, nicht als Regel, der jedes Drehbuch gehorchen muss.

Wo liegt der Midpoint im Drehbuch?

Meist ungefähr in der Mitte, also um Seite 55 bei einem Spielfilm von 110 Seiten. Er ist eine Wendung, die den Einsatz erhöht oder verändert, was die Hauptfigur will, oft ein falscher Sieg oder eine falsche Niederlage. Kommt er deutlich später, fehlt der ersten Hälfte des zweiten Akts meist die Richtung.