Ein Klemmbrett mit Drehplan, eine Filmklappe und Gaffer-Tape auf einem Tisch

Die Drehbuch-Revision in der Produktion folgt einem Farbsystem: Ist die Drehfassung gesperrt, wird jede weitere Runde geänderter Seiten auf Papier einer anderen Farbe gedruckt, in fester Reihenfolge, nämlich Weiß, Blau, Rosa, Gelb, Grün, Goldgelb, Chamois, Lachs und Kirsch. So sehen Besetzung und Team auf einen Blick, welchen Stand sie in der Hand halten.

Das System gibt es, weil ein Film in Vorbereitung nicht bei jeder geänderten Zeile das ganze Drehbuch neu drucken kann. Die Abteilungen haben ihre Exemplare längst bearbeitet, die Schauspieler haben Notizen am Rand, und die Regieassistenz hat einen Drehplan, der auf Seitenzahlen beruht. Farbige Seiten erlauben es allen, nur das auszutauschen, was sich geändert hat. Dieser Ratgeber erklärt die Reihenfolge, die Markierungen auf einer geänderten Seite, gesperrte Seiten und A-Seiten und warum du mit einem Spec-Skript das alles beiseitelassen kannst.

Fassungen in der Entwicklung

Bevor ein Drehbuch in Produktion geht, wird es in Deutschland, Österreich und der Schweiz in Fassungen gezählt: 1. Fassung, 2. Fassung und so weiter, jede mit Datum auf der Titelseite. Nach jeder Runde mit Redaktion, Dramaturgie oder Förderung entsteht eine neue Drehbuch-Fassung, und zwar als vollständiges Dokument. Viele markieren für die Gegenleser trotzdem, was sich seit der letzten Fassung geändert hat, mit Sternchen am Rand oder einer kurzen Liste der geänderten Szenen.

Die letzte Fassung vor dem Dreh heißt Drehfassung. Ab hier ändert sich die Logik: Das Drehbuch wird nicht mehr als Ganzes neu verschickt, sondern nur noch Seite für Seite überarbeitet.

Was ist eine Drehfassung?

Die Drehfassung, englisch Shooting Script, ist die Fassung eines Drehbuchs, die für die Produktion vorbereitet wird. Die Geschichte ist dieselbe wie in der letzten Fassung; neu ist, dass das Drehbuch jetzt stabil bleiben muss, während Dutzende Leute danach planen. Szenennummern kommen dazu und werden gesperrt, Seiten werden gesperrt, und jede spätere Änderung erscheint als geänderte Seiten in der nächsten Farbe statt als neue Fassung.

  • Szenennummern an beiden Rändern jeder Szenenüberschrift, gesperrt: Eine gestrichene Szene hinterlässt ihre Nummer mit dem Vermerk OMITTED, eine neue Szene zwischen 12 und 13 heißt 12A.
  • Gesperrte Seiten: Ein langer Zusatz läuft auf eine A-Seite über (Seite 41A), statt alle folgenden Seiten zu verschieben.
  • Revisionsmarkierungen: eine Kopfzeile mit Farbe und Datum und ein Sternchen am rechten Rand jeder geänderten Zeile.
  • (MORE) und (CONT'D), wo Dialog oder Szene über eine Seite laufen, damit nie unklar ist, wer spricht.

Ein Spec-Skript, also ein Drehbuch, das du anbietest, hat nichts davon: keine Szenennummern, keine Kameraangaben über das hinaus, was die Geschichte braucht, und keine Revisionsfarben. Zur Drehfassung wird ein Drehbuch erst, wenn der Film finanziert ist und in Vorbereitung geht.

Welche Farben kommen in welcher Reihenfolge?

Die übliche Farbfolge beginnt mit der weißen Drehfassung und geht über Blau, Rosa, Gelb, Grün, Goldgelb, Chamois und Lachs bis Kirsch, eine Farbe pro Revisionsrunde. Die Reihenfolge ist eine Konvention aus dem amerikanischen Film und Fernsehen, kein Gesetz. Internationale Koproduktionen und größere deutsche Produktionen übernehmen sie meist, manche Produktionen passen sie an.

  1. Weiß: die erste gesperrte Drehfassung, die an die Produktion geht.
  2. Blau: die erste Runde geänderter Seiten.
  3. Rosa: die zweite Runde.
  4. Gelb: die dritte.
  5. Grün: die vierte.
  6. Goldgelb (englisch Goldenrod): die fünfte.
  7. Chamois (englisch Buff): die sechste.
  8. Lachs: die siebte.
  9. Kirsch: die achte.

Ein langer Dreh kann über Kirsch hinausgehen. Viele Produktionen beginnen den Kreis dann von vorn, als zweite Runde: zweites Blau, zweites Rosa, zweites Gelb und so weiter. Andere ergänzen Farben wie Hellbraun oder Grau, bevor sie wiederholen. Das Produktionsbüro gibt bekannt, welches Schema gilt, und alle halten sich daran.

So sieht eine geänderte Seite aus

Eine geänderte Seite trägt drei Markierungen, die sagen, was sich wann geändert hat.

  • Eine Kopfzeile mit Runde und Datum, etwa Blau Rev. 14.03., oben auf jeder Seite dieser Runde.
  • Ein Sternchen (*) am rechten Rand neben jeder geänderten Zeile, damit eine Schauspielerin ihren neuen Satz findet, ohne die Szene neu zu lesen.
  • Dieselbe Seitenzahl wie vorher. Eine geänderte Seite ersetzt ihre alte Fassung eins zu eins und schiebt den Rest des Drehbuchs nicht nach hinten.

Verschickt werden nur die geänderten Seiten. Verliert eine Szene auf Seite 47 zwei Zeilen, schickt die Produktion eine neue Seite 47 in der aktuellen Farbe, und alle tauschen sie in ihrem Ordner gegen die alte aus. Ein Drehbuch nach fünf Runden sieht von der Seite aus wie ein gestreifter Fächer aus Weiß, Blau, Rosa, Gelb und Grün. Genau darum geht es.

Gesperrte Seiten und A-Seiten

Gesperrte Seiten halten die Seitenzahlen fest, sobald das Drehbuch in Produktion ist. Drehpläne, Drehbuchauszüge und Tagesdispositionen, die auf Seite 47 verweisen, zeigen so nach jeder Revision noch auf das richtige Material. Erst das Sperren macht farbige Änderungsseiten möglich.

Wächst neues Material über das Ende einer gesperrten Seite hinaus, kommt der Überhang auf eine A-Seite. Wird Seite 12 länger, wird der zusätzliche Text zu Seite 12A, bei Bedarf 12B, und Seite 13 bleibt Seite 13. Wird gestrichen, bleibt die Seite mit weniger Text im Drehbuch, oder zwei Seiten werden zusammengelegt und mit beiden Nummern beschriftet, etwa 22-23.

Szenennummern werden genauso gesperrt. Eine Szene zwischen 5 und 6 wird zu 5A; eine gestrichene Szene behält ihre Nummer mit dem Wort OMITTED, damit Szene 6 nie stillschweigend zu Szene 5 wird. Wie die Nummern an beiden Enden des Szenenkopfs stehen, zeigt der Ratgeber zu INT. und EXT. im Drehbuch.

5A   EXT. STEINBRUCHWEG - MORGENGRAUEN                 5A

     Tessas Transporter würgt oben am Hang ab. Sie
     tritt die Tür auf, bevor er ausgerollt ist.

6    OMITTED                                            6

In diesem Beispiel wurde eine neue Szene als 5A eingeschoben, und die alte Szene 6 wurde gestrichen, behält aber ihren Platz in der Zählung. Wer einen Drehplan für Szene 7 in der Hand hält, findet Szene 7 weiterhin dort, wo sie immer war.

So läuft eine Drehbuch-Revision ab

Auf den meisten Produktionen läuft eine Runde gleich ab:

  1. Der Autor oder die Autorin ändert das gesperrte Drehbuch mit eingeschalteten Revisionsmarkierungen.
  2. Geänderte Zeilen bekommen Sternchen, und die Runde erhält die nächste Farbe und das Datum.
  3. Die Produktion druckt oder exportiert nur die geänderten Seiten, dazu ein Deckblatt, das sie auflistet.
  4. Die Abteilungen tauschen die neuen Seiten in ihre Exemplare und notieren, was sich verschoben hat.

Oft werden Änderungen ein paar Tage gesammelt und in einer Runde verschickt statt in drei kleinen, weil jede Runde alle ein wenig Zeit kostet. Eine Runde, die ein Wort auf zwanzig Seiten ändert, sind trotzdem zwanzig Seiten zum Austauschen.

Wann du Revisionsfarben ignorieren kannst

Mit einem Spec-Skript ignorierst du Revisionsfarben vollständig. Ein Drehbuch, das du anbietest oder bei einem Wettbewerb einreichst, ist nicht in Produktion. Es hat keine gesperrten Seiten, keine farbigen Runden und keine Sternchen. Verschick jedes Mal eine saubere weiße Fassung.

Markierungen aus der Produktion auf einem Spec-Skript sagen dem Leser, dass das Drehbuch schon oft umgearbeitet wurde, oder dass der Autor den Unterschied zwischen Angebotsfassung und Drehfassung nicht kennt. Szenennummern gehören in dieselbe Kategorie, außer eine deutsche Redaktion arbeitet damit. Führ deine eigene Fassungsgeschichte in Versionen oder Dateinamen und schick nur die neueste saubere Fassung. Wie eine Seite im Spec-Skript aussieht, zeigt der Ratgeber zum Drehbuch-Aufbau.

Drehbuch-Revision in Scenaloom

Im PDF-Export von Scenaloom findest du unter Revisionsmarkierungen… die Revisionssätze in der üblichen Reihenfolge: Blau, Rosa, Gelb, Grün, Goldgelb, Chamois, Lachs, Kirsch und danach zweites Blau, zweites Rosa und so weiter. Mit Änderungen markieren seit wählst du eine benannte Version aus dem Verlauf als Vergleich. Geänderte Zeilen bekommen ein Sternchen am rechten Rand, jede Seite zeigt die Revision in der Kopfzeile, und Nur geänderte Seiten exportiert genau das, was die Produktion austauschen muss.

Szenennummern lassen sich sperren (5A, 5B, OMITTED), ebenso Seiten (12A, 12B). Mehr dazu beim Drehbuch-Editor, oder beginne ein Drehbuch.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Drehfassung und Spec-Skript?

Ein Spec-Skript wird geschrieben, um gelesen und verkauft zu werden. Es hat keine Szenennummern und verzichtet auf technische Anweisungen. Die Drehfassung ist dieselbe Geschichte, vorbereitet für die Produktion: Szenennummern und Seiten werden gesperrt, und Änderungen erscheinen als farbige Änderungsseiten mit Sternchen an jeder geänderten Zeile, damit das ganze Team mit denselben Seiten arbeitet.

Welche Farbe kommt nach Weiß?

Blau. Die weiße Fassung ist die erste gesperrte Drehfassung, die erste Runde geänderter Seiten ist blau, danach folgen Rosa, Gelb, Grün, Goldgelb, Chamois, Lachs und Kirsch. Produktionen, die über Kirsch hinausgehen, beginnen meist eine zweite Runde mit zweitem Blau und zweitem Rosa; das genaue Schema legt das Produktionsbüro fest.

Was bedeuten Sternchen am Rand eines Drehbuchs?

Ein Sternchen am rechten Rand markiert eine Zeile, die sich in der aktuellen Revisionsrunde geändert hat. So finden Schauspiel und Team neues oder geändertes Material, ohne die Seite Wort für Wort mit der alten zu vergleichen. In der Entwicklung nutzen manche Sternchen auch, um Änderungen zwischen zwei Fassungen zu zeigen.

Was ist eine A-Seite im Drehbuch?

Eine zusätzliche Seite, die nach einer gesperrten Seite eingefügt wird, wenn neues Material nicht mehr passt. Sie trägt die ursprüngliche Seitenzahl plus einen Buchstaben: 12A, 12B. So behalten die folgenden Seiten ihre alten Nummern, und Drehpläne und Auszüge, die auf dem gesperrten Drehbuch beruhen, bleiben richtig.

Brauche ich Revisionsfarben für mein Spec-Skript?

Nein. Revisionsfarben, Sternchen und gesperrte Seiten sind für Drehbücher in Produktion. Ein Spec-Skript ist eine saubere Fassung ohne Revisionsmarkierungen und meist ohne Szenennummern. Deine Fassungsgeschichte führst du in Versionen, und an Leser geht nur die neueste Fassung.