Ein Klemmbrett mit Drehplan, eine Filmklappe und Gaffer-Tape auf einem Tisch

Ein Drehbuchauszug ist die Zerlegung eines Drehbuchs, Szene für Szene, in alles, was für den Dreh gebraucht wird: Rollen, Komparsen, Requisiten, Motive, Kostüm, Maske, Fahrzeuge, Effekte und Ton. Für jede Szene entsteht ein eigener Szenenauszug, auf einem Blatt oder in einer Tabellenzeile, und daraus baut die Regieassistenz den Drehplan und die Produktion die Kalkulation. International heißt das Script Breakdown.

Dieser Ratgeber erklärt die Kategorien, wie du eine Szene markierst, eine Vorlage zum Kopieren und ein ausgefülltes Beispiel aus einer eigenen Szene. Er setzt ein fertiges, nummeriertes Drehbuch voraus; sind deine Szenen noch nicht nummeriert, lies zuerst den Ratgeber zur Szenenüberschrift.

Wer macht den Drehbuchauszug, und wann?

In deutschsprachigen Produktionen erstellt meist die Regieassistenz den Drehbuchauszug, sobald die Drehfassung steht, oft in Abstimmung mit Aufnahme- und Produktionsleitung. Danach machen die Abteilungen eigene, genauere Auszüge: das Kostümbild für die Kostüme, die Requisite für die Requisiten, die Maske für die Maske. Beim Kurzfilm erledigt das oft die Person, die schreibt und Regie führt, allein.

Auch beim Schreiben lohnt ein leichter Auszug. Motive, Sprechrollen und Nachtaußenszenen zu zählen ist der schnellste Weg zu sehen, was ein Drehbuch kosten wird. Das zählt besonders bei einem Kurzfilm mit kleinem Budget.

Die Elemente des Drehbuchauszugs

Jede Produktion passt die Liste an, aber diese Kategorien decken die meisten Drehbücher ab:

  • Rollen: alle Sprechrollen mit Namen und einer Rollennummer, die in Drehplan und Dispo wieder auftaucht.
  • Komparsen, Kleindarsteller und Doubles: Menschen im Hintergrund mit Anzahl, etwa „6 Gäste“, kleine Rollen mit einem Satz und Doubles für Licht oder Stunts.
  • Stunts: jede Aktion, die eine Stuntkoordination braucht, auch ein Sturz oder eine Rangelei.
  • Requisiten: Gegenstände, die eine Figur benutzt oder von denen die Geschichte abhängt.
  • Ausstattung: Gegenstände im Motiv, die niemand anfasst.
  • Motiv oder Bau: der Drehort mit INT. oder EXT. und TAG oder NACHT, bei Studioproduktionen die gebaute Kulisse.
  • Kostüm: besonders Wechsel, Beschädigungen und Doppel.
  • Maske: Wunden, Alterung, nasse Haare, alles, was über die Grundmaske hinausgeht.
  • Fahrzeuge und Tiere: alles, was sich bewegt und einen Fahrer oder eine Tiertrainerin braucht.
  • Spezialeffekte (SFX): Regen, Rauch, Feuer, Bruchglas, also alles, was am Set passiert.
  • Visuelle Effekte (VFX): alles, was nach dem Dreh dazukommt.
  • Ton und Musik: Playback am Set, ein Lied, das eine Figur singt, ein Geräusch, von dem die Szene abhängt.
  • Sondertechnik: Kran, Car-Rig, Unterwassergehäuse.

Eine Szene markieren

  1. Nummeriere die Szenen und friere die Nummerierung ein, damit Auszug und Drehplan immer von derselben Szene sprechen.
  2. Miss die Länge jeder Szene in Achtelseiten. Eine volle Seite sind 8/8, eine Viertelseite 2/8. Drehpläne schätzen mit diesen Achteln, wie viel an einem Tag zu schaffen ist. Viele Produktionen ergänzen den Vorstopp, also die voraussichtliche Spielzeit, die Script/Continuity für jede Szene stoppt.
  3. Lies die Szene einmal für die Geschichte und dann noch einmal mit Stift oder Textmarker. Unterstreich jedes Element und kennzeichne seine Kategorie, mit einer Farbe pro Kategorie oder einem Kürzel wie ROLLE, REQ oder SFX.
  4. Notiere, was der Text andeutet, aber nicht sagt. Regen bedeutet nasses Kostüm und nasse Haare; eine Figur, die „außer Atem vom Treppensteigen“ ankommt, bedeutet ein Treppenhaus.
  5. Übertrag jedes markierte Element auf das Blatt dieser Szene.

Vorlage für den Drehbuchauszug

Szenenauszug als Blatt (PDF, auf Englisch)Ein Blatt pro Szene mit einem Feld für jedes Element. Kostenlos, ohne Anmeldung

Drehbuchauszug als Tabelle (CSV, Spalten auf Englisch)Eine Zeile pro Szene, mit einer ausgefüllten Beispielzeile

Vorschau der ersten Seite des Szenenauszugs (PDF), Feldnamen auf Englisch

Für jede Szene brauchst du diese Felder:

  • Kopf: Produktionstitel, Szenennummer, Blattnummer, Drehbuchseite oder Seiten und die Länge in Achteln.
  • Szenenüberschrift: INT. oder EXT., Motiv und TAG oder NACHT.
  • Inhalt: eine Zeile zu dem, was passiert.
  • Rollen: Namen mit Rollennummern.
  • Komparsen und Stunts: jeweils mit Anzahl.
  • Requisiten, Ausstattung, Kostüm, Maske.
  • Fahrzeuge und Tiere, Spezialeffekte, visuelle Effekte, Ton und Musik.
  • Sondertechnik und Hinweise.

Ein ausgefüllter Drehbuchauszug als Beispiel

Hier eine kurze eigene Szene und der Szenenauszug dazu.

EXT. PARKHAUS - OBERSTES DECK - NACHT

Regen. Ein verbeulter Kleinwagen, Motor läuft. NELE (30er) sitzt am Steuer, ein Verband um die rechte Hand.

DENNIS (30er) steigt ein, durchnässt, eine Sporttasche auf den Knien.

DENNIS
Fahr.

NELE
Ist das alles?

Er zieht den Reißverschluss auf. Gebündelte Scheine. Und eine Pistole. Sie starrt darauf.

Der Lichtkegel einer TASCHENLAMPE gleitet über die gegenüberliegende Rampe. Nele schaltet die Scheinwerfer aus.
  • Szene 23: EXT. Parkhaus, oberstes Deck, NACHT, 3/8 Seite.
  • Inhalt: Dennis steigt mit dem geraubten Geld zu Nele ins Auto; sie sieht die Waffe.
  • Rollen: 1 Nele, 2 Dennis.
  • Komparsen: 1 Wachmann, nur als Silhouette mit Taschenlampe.
  • Requisiten: Sporttasche, Geldbündel (Filmgeld), Pistole (nicht schussfähige Dekowaffe), Taschenlampe, Autoschlüssel.
  • Kostüm: Dennis nass; Doppel für mehrere Takes.
  • Maske: Nele mit Handverband (Anschluss an Szene 19); Dennis mit nassen Haaren.
  • Fahrzeuge: verbeulter Kleinwagen mit funktionierenden Scheinwerfern als Spielfahrzeug; jemand, der ihn positioniert.
  • Spezialeffekte: Regen auf einem Außenmotiv bei Nacht.
  • Hinweise: Waffe am Set nur mit Waffenmeisterin oder Waffenmeister und Sicherheitseinweisung. Für Nachbildungen von Euro-Scheinen gelten Vorschriften; frag beim Requisitenverleih nach Filmgeld, das sie einhält.

Eine Szene von weniger als einer halben Seite braucht Regen, ein Spielfahrzeug, eine Dekowaffe und ein Doppel des Kostüms. Genau solche Funde verändern einen Drehplan. Der Drehbuchauszug macht aus dem Lesen eine Liste, die jemand kalkulieren kann. Für jede Szene gemacht, zeigt er außerdem, welche Motive, Rollen und Effekte sich wiederholen, und dort liegen die größten Einsparungen bei der Planung.

Häufige Fehler beim Drehbuchauszug

  • Ein Drehbuch auszählen, das sich noch ändert. Verschieben sich danach die Szenennummern, musst du jedes Blatt und jeden Streifen im Drehplan noch einmal prüfen.
  • Nur aufschreiben, was dasteht. Angedeutete Dinge wie Anschlussverletzungen, nasse Kleidung oder ein Handy, das auf Stichwort leuchten muss, kosten genauso viel wie ausdrückliche.
  • Den Anschluss vergessen. Ein Verband, ein zerrissener Ärmel oder ein halb gegessenes Essen müssen über Szenen hinweg stimmen, die Wochen auseinander gedreht werden; notiere, an welche Szene sie anschließen.
  • Ungenaue Zahlen. „Einige Gäste“ kann niemand buchen, „6 Gäste, 2 Kellner“ schon.
  • Sicherheit vergessen. Waffen, Stunts, Wasser, Höhe, Fahrzeuge und Kinder bringen Regeln und Fachleute mit, die du planen und kalkulieren musst. Für Kinder am Set brauchst du in Deutschland außerdem eine behördliche Genehmigung.
  • Uneinheitliche Namen. Heißt eine Figur in einer Szene Dennis und in der nächsten Denny, stehen im Auszug womöglich zwei Personen. Korrigiere zuerst das Drehbuch.

Vom Drehbuchauszug zum Drehplan

Hat jede Szene ihr Blatt, kommen die Szenen in den Drehplan, klassisch als Streifenplan mit einem Streifen pro Szene. Sortiert wird nach Motiv, dann nach Tag und Nacht und nach Rollen, damit das Team alles an einem Motiv am Stück dreht. Der Auszug fließt auch in die Kalkulation, weil jede Requisite, jeder Komparse und jeder Effekt Geld kostet. Für jeden Drehtag entsteht daraus die Tagesdisposition, und die Shotlist plant die Kamera innerhalb jeder Szene.

Den Drehbuchauszug vorbereiten mit Scenaloom

Scenaloom legt die Figuren aus den Namen in deinem Drehbuch an und die Orte aus den Szenenüberschriften, führt daneben eine Liste der Requisiten und dazu eine Besetzungsliste und für die Orte einen Scouting-Status. Die Szenenliste ist sortierbar, und Szenen, Besetzung, Orte und Requisiten exportierst du als CSV-Tabellen, die du in Excel oder Google Tabellen zum fertigen Auszug ausbaust. Kostüme oder Effekte markiert Scenaloom im Drehbuch nicht. Mehr unter Figuren und Elemente, oder leg ein Projekt an.

Häufige Fragen

Was ist ein Drehbuchauszug?

Ein Drehbuchauszug ist eine Liste, Szene für Szene, mit allem, was ein Drehbuch für den Dreh braucht: Rollen, Komparsen, Requisiten, Motive, Kostüm, Maske, Fahrzeuge, Effekte und Ton. Er steht auf einem Blatt pro Szene oder in einer Tabelle und ist die Grundlage für Drehplan und Kalkulation.

Wie erstellt man einen Drehbuchauszug?

Nummeriere die Szenen und friere die Nummern ein, miss jede Szene in Achtelseiten, lies sie und markiere jedes Element nach Kategorie mit einer Farbe oder einem Kürzel. Dann überträgst du alles auf das Blatt der Szene, auch das, was der Text nur andeutet, etwa nasses Kostüm in einer Regenszene.

Was steht auf dem Blatt eines Szenenauszugs?

Szenennummer, Szenenüberschrift, Länge in Achteln, ein Satz zum Inhalt und jedes Element, das die Szene braucht, nach Kategorien geordnet. Alle Blätter zusammen sind die Quelle für den Drehplan.

Was sind Achtel im Drehbuchauszug?

Mit Achteln misst eine Produktion die Länge von Szenen: Jede Drehbuchseite wird in acht Teile geteilt, eine halbe Seite sind also 4/8, eineinviertel Seiten 1 2/8. Drehpläne nutzen die Summen, um zu schätzen, wie viel an einem Tag gedreht werden kann.

Wer macht den Drehbuchauszug beim Film?

Meist die Regieassistenz, oft gemeinsam mit Aufnahme- oder Produktionsleitung. Jede Abteilung macht danach einen eigenen, genaueren Auszug für ihren Bereich. Bei kleinen Produktionen und Kurzfilmen erledigen ihn oft die Regie oder die Produktion allein, manchmal in einer einzigen Tabelle mit einer Zeile pro Szene.