Getippte Drehbuchseiten mit Bleistift und Büroklammer auf einem Leinentisch

Eine Regieanweisung im Drehbuch ist eine kurze Notiz in runden Klammern, die in einer eigenen Zeile zwischen Figurenname und Dialog steht. Sie sagt, wie ein Satz gemeint ist, an wen er sich richtet oder was die Figur dabei tut. Gute Drehbücher gehen sparsam damit um: Dialog und Handlung sollen die Szene tragen, die Regieanweisung füllt nur die Lücke, die beide lassen.

Dieser Ratgeber erklärt, wie eine Regieanweisung formatiert wird, was (Pause) und das englische (beat) bedeuten, wofür sie gut ist, welche Angewohnheiten ein Drehbuch schwächen und wie du eine überinszenierte Rede wieder schlank machst. Den Rest der Seite, also Figurennamen, Dialog und Übergänge, behandelt der Ratgeber zum Drehbuch-Aufbau.

Regieanweisung im Theater und im Drehbuch

Aus dem Deutschunterricht kennst du Regieanweisungen aus dem Drama: Sie gehören zum Nebentext, also zu allem, was nicht gesprochen wird. Dort beschreiben sie Bühnenbild, Auftritte, Gesten und Tonfall, oft kursiv oder in Klammern zwischen den Repliken.

Im Drehbuch ist die Arbeit aufgeteilt. Was man sieht und hört, steht in der Handlung, auch Bildbeschreibung genannt, über die volle Seitenbreite. Als Regieanweisung bezeichnet man dagegen meist nur die kurze Klammer unter dem Namen, die im Englischen Parenthetical heißt und die manche auch Spielanweisung nennen. Scenaloom nennt dieses Element ebenfalls Regieanweisung.

So formatierst du eine Regieanweisung

Eine Regieanweisung steht immer innerhalb einer Rede: direkt unter dem Figurennamen oder zwischen zwei Dialogzeilen derselben Figur, nie nach dem letzten Satz einer Rede. Die Regeln sind wenige und streng:

  • Kleingeschrieben, in runden Klammern, ohne Punkt am Ende: (leise), nicht (Leise.).
  • In einer eigenen Zeile, etwa 7,9 cm von der linken Blattkante eingerückt und schmaler als der Dialog, damit sie als Notiz und nicht als Rede gelesen wird.
  • Kurz. Eine Regieanweisung, die über zwei Zeilen hinausgeht, ist meist verkleidete Handlung.
  • Ohne Leerzeile davor oder danach. Name, Regieanweisung und Dialog bilden einen Block.
NIKO
(zum Kellner)
Zwei Kaffee. Schwarz.
(zu Ines)
Du trinkst ihn noch schwarz, oder?

INES
Ich hab ihn nie schwarz getrunken.

In diesem Beispiel wechseln die Regieanweisungen mitten in der Rede den Adressaten. Ohne sie könnte niemand erkennen, dass der erste Satz dem Kellner gilt und der zweite Ines. Das ist der eine Fall, in dem eine Notiz in Klammern das klarste Werkzeug ist.

Was bedeutet (Pause) oder (beat) im Drehbuch?

(Pause), in englischen Drehbüchern (beat), markiert ein kurzes Innehalten innerhalb einer Rede: Die Figur stockt, etwas verschiebt sich, dann spricht sie weiter. Es ist die häufigste Regieanweisung überhaupt, und sie wirkt am besten, wenn der Leser spürt, warum die Figur stockt.

MARLENE
Der Schlüssel war in der Schublade. Ich
hab ihn selbst reingelegt.
(Pause)
Wer wusste noch von der Schublade?

Hier ist die Pause der Moment, in dem Marlene einen Verdacht fasst. So erfüllt sie ihren Zweck: Sie trennt zwei Gedanken. Verwechsle das nicht mit dem Beat im größeren Sinn, der kleinsten Einheit der Veränderung in einer Szene oder Geschichte, wie sie ein Beat Sheet über einen ganzen Film verteilt. Beide Bedeutungen gehen auf dieselbe Idee zurück: einen Moment, in dem sich etwas dreht.

Ist eine Pause wichtiger als ein Satz, steht sie oft besser in der Handlung. Eine Zeile wie „Sie sieht auf die Schublade. Dann auf ihn.“ gibt Schauspiel und Leser ein Bild, wo (Pause) nur eine Lücke lässt.

Wann eine Regieanweisung sinnvoll ist

Eine Regieanweisung verdient ihren Platz, wenn der Satz ohne sie falsch verstanden würde. Vier Aufgaben tauchen immer wieder auf:

Sagen, wem ein Satz gilt

In einer Szene mit drei oder mehr Leuten räumt (zu Ines) oder (ins Telefon) jeden Zweifel aus. Das ist die unumstrittenste Verwendung, und im Lektorat wird sie selten gestrichen.

Die naheliegende Lesart umdrehen

Wenn die Worte in eine Richtung zeigen und die Bedeutung in die andere, kann ein einziges Wort die Pointe oder die Drohung retten. „Herrliches Wetter“ bei Wolkenbruch braucht nichts. „Mir geht's gut“ von einer Figur, die gerade gekündigt wurde, braucht vielleicht (meint es ernst), wenn die Szene davon lebt, dass sie uns überrascht und es ihr wirklich gut geht.

Eine kleine Handlung, die am Satz hängt

(steckt den Ring ein) oder (ohne aufzusehen) hält eine Geste innerhalb der Rede, damit sie auf das richtige Wort fällt. Ist die Handlung größer als ein paar Wörter oder reagieren andere darauf, gehört sie in eine Handlungszeile.

Sprache, Lautstärke und Medium

(auf Polnisch), (flüsternd) oder (liest vor) sagen dem Leser etwas, was die Wörter auf der Seite nicht können. Spielt eine ganze Szene in einer anderen Sprache, sag das einmal in der Handlung, statt es unter jedem Namen zu wiederholen.

Gefühlsangaben und warum sie überlesen werden

Manche Regieanweisungen nennen nur ein Gefühl oder einen Ton: (ironisch), (traurig), (wütend). Im Englischen heißen sie spöttisch Wrylies, nach dem ewigen (wryly), und sie zeigen den häufigsten Weg, auf dem Regieanweisungen schiefgehen.

Sie sagen der Schauspielerin, was sie fühlen soll, statt ihr einen Grund dafür zu geben. Ist der Dialog wütend, fügt (wütend) nichts hinzu; ist er es nicht, macht das Wort ihn auch nicht wütend. Schauspiel und Regie übergehen solche Angaben gern, und wer beruflich Drehbücher liest, nimmt eine Seite voller Gefühlsangaben als Zeichen, dass der Autor seiner Szene nicht traut.

Die Lösung liegt fast immer im Dialog oder in der Handlung. Hier eine Rede, die sich auf Gefühlsangaben stützt:

BEN
(nervös)
So. Die Befunde.
(traurig)
Die sind nicht gut, oder?

Und derselbe Moment, das Gefühl verlegt in das, was wir sehen und hören:

Ben streicht den Umschlag glatt. Öffnet ihn nicht.

BEN
So. Die Befunde.
(Pause)
Du hast sie schon gelesen.

Der Umschlag, den er nicht öffnet, zeigt die Nervosität. Der letzte Satz, eine Feststellung statt einer Frage, trägt die Angst, ohne dass sie benannt wird. Die eine (Pause) bleibt stehen, weil sie den Moment markiert, in dem er es begreift.

Häufige Fehler bei Regieanweisungen

  • Eine Regieanweisung am Ende einer Rede. Alles, was nach dem letzten Satz passiert, ist Handlung.
  • Zwei Regieanweisungen übereinander ohne Dialog dazwischen. Fass sie zusammen oder verschieb eine in die Handlung.
  • Kamera- oder Stellanweisungen wie (NAH AUF IHRE HÄNDE). Das ist eine Einstellung, keine Regieanweisung.
  • Zusätze wie (V.O.), (OFF) oder (CONT'D) in der Klammerzeile. Sie stehen hinter dem Namen in der Namenszeile, nicht darunter.
  • Eine Regieanweisung bei jeder Rede. Ein guter Test: Deck die Klammer mit dem Daumen ab. Funktioniert der Satz trotzdem, streich sie.

Im Drehbuchmuseum zeigt The Interview, eine einseitige Szene, die auf Subtext statt auf Anweisungen setzt, wie wenig eine Rede braucht, wenn die Wörter die Arbeit machen. Wie du solche Wörter findest, erklärt der Ratgeber Dialoge schreiben.

Regieanweisungen in Scenaloom

Im Drehbuch-Editor von Scenaloom tippst du „(“ in eine leere Zeile innerhalb einer Rede, und die Zeile wird zur Regieanweisung, gesetzt in ihrer eigenen Spalte von Zeichen 16 bis 40. Enter führt dich von der Regieanweisung zum Dialog, und Tab in einer leeren Zeile wechselt zwischen Dialog und Regieanweisung, du stellst also nie einen Einzug von Hand ein. Der PDF-Export nutzt dasselbe Layout, und beginnen kannst du im kostenlosen Plan.

Häufige Fragen

Was ist eine Regieanweisung im Drehbuch?

Eine kurze Anweisung in runden Klammern unter dem Figurennamen, über oder innerhalb des Dialogs. Sie sagt, wem ein Satz gilt, welche kleine Handlung dazugehört oder wie er gesprochen wird. Sie steht kleingeschrieben in einer eigenen Zeile und umfasst nur wenige Wörter. Längere Beschreibungen gehören in die Handlung.

Was ist der Unterschied zwischen Regieanweisung und Nebentext?

Im Drama bezeichnet Nebentext alles, was nicht gesprochen wird, also auch alle Regieanweisungen zu Bühne, Auftritt und Tonfall. Im Drehbuch übernimmt die Handlung den größten Teil dieser Aufgabe. Mit Regieanweisung ist dort meist nur die kurze Klammer unter dem Namen gemeint.

Was bedeutet (Pause) im Drehbuch?

(Pause), englisch (beat), steht für ein kurzes Innehalten in einer Rede: Die Figur stockt, etwas kommt bei ihr an, dann spricht sie weiter. Am besten wirkt sie, wenn der Leser spürt, was sich in der Pause geändert hat. Ist die Pause lang oder wichtig, beschreibt eine Handlungszeile sie oft stärker.

Wie viele Regieanweisungen darf ein Drehbuch haben?

Eine feste Zahl gibt es nicht. Viele erwarten höchstens eine Handvoll pro Szene und viele Reden ganz ohne. Setz eine, wenn der Satz ohne sie falsch verstanden würde: für den Adressaten, für eine kleine Handlung genau auf einem Wort oder für eine Lesart gegen den Wortlaut. Funktioniert der Satz ohne, streich sie.

Darf eine Regieanweisung am Ende des Dialogs stehen?

Nein, eine Regieanweisung beendet nie eine Rede. Sie steht unter dem Figurennamen oder zwischen zwei Dialogzeilen derselben Figur. Was nach dem letzten Satz geschieht, schreibst du als Handlung unter die Rede, über die volle Seitenbreite.