Ein Storyboard-Blatt mit sechs Bildern, drei davon mit Bleistift skizziert

Eine Shotlist ist eine Tabelle mit einer Zeile pro Einstellung und Spalten für Szene, Einstellungsnummer, Einstellungsgröße, Perspektive, Kamerabewegung, Objektiv, Beschreibung, Darsteller, Motiv und Dauer oder Hinweise. Aus dem Drehbuch ausgefüllt, wird sie zum Plan, nach dem Regie, Kamera und Regieassistenz jede Szene vorbereiten und drehen.

Die Shotlist ist das schriftliche Ergebnis der Auflösung, also der Entscheidung, in welche Einstellungen eine Szene zerlegt wird. Hier findest du die üblichen Spalten, die Einstellungsgrößen und Kürzel, mit denen deutschsprachige Teams arbeiten, ein ausgefülltes Beispiel und eine Anleitung Schritt für Schritt. Die Szene sollte schon geschrieben sein; wie das Drehbuch selbst aussieht, zeigt der Ratgeber zum Drehbuchformat.

Was ist eine Shotlist?

Eine Shotlist ist die schriftliche Liste aller Einstellungen, die eine Szene braucht, in der Reihenfolge, in der sie später geschnitten werden. Sie steht zwischen dem Drehbuch, das sagt, was passiert, und dem Drehplan, der festlegt, wann welche Einstellung gedreht wird. Ein Storyboard zeichnet dieselben Einstellungen als Bilder; die Shotlist beschreibt sie in einer Tabelle, die sich schnell sortieren, teilen und am Set abhaken lässt. Manche Teams sagen statt Shotlist einfach Auflösung oder Einstellungsliste.

Die Shotlist-Vorlage: die üblichen Spalten

Übertrag diese Spalten in eine Tabelle. Nicht jede Produktion braucht alle, aber diese zehn decken die meisten Kurzfilme, Musikvideos und Spielfilme ab:

  • Szene: die Szenennummer aus dem Drehbuch, damit sich die Einstellungen jederzeit in die Reihenfolge des Drehbuchs zurücksortieren lassen.
  • Einstellung: eine Nummer innerhalb der Szene, also 1, 2, 3, oder 4A für eine später ergänzte Einstellung. Manche Teams zählen gleich mit Buchstaben: 12A, 12B.
  • Einstellungsgröße: wie viel vom Motiv das Bild füllt, mit den Kürzeln unten.
  • Perspektive: Normalsicht auf Augenhöhe, Untersicht, Aufsicht, Vogel- oder Froschperspektive, gekippte Kamera.
  • Bewegung: statisch, Schwenk, Neigung, Ran- oder Rückfahrt, Handkamera, Kran oder Zoom.
  • Objektiv: die Brennweite, etwa 24 mm, 35 mm oder 85 mm.
  • Beschreibung: was die Einstellung zeigt, in einem Satz, so geschrieben, dass es auch versteht, wer das Drehbuch nicht kennt.
  • Darsteller: wer im Bild ist.
  • Motiv: wo gedreht wird. Das kann ein anderer Ort sein als der, an dem die Szene in der Geschichte spielt.
  • Dauer und Hinweise: die geschätzte Länge im Film und alles, was das Team wissen muss, etwa Requisiten, Effekte, Ton oder eine Spielnotiz.

Shotlist-Vorlage herunterladen

Die Vorlage enthält elf Spalten, drei ausgefüllte Beispielzeilen und leere Zeilen zum Weiterschreiben. Sie ist eine CSV-Datei und funktioniert deshalb in jedem Tabellenprogramm, auch wenn du sortierst oder filterst. Die Spaltennamen sind auf Englisch; überschreib sie einfach mit den deutschen Begriffen von oben.

Shotlist-Vorlage (CSV, Spalten auf Englisch)Für Excel, Google Tabellen, Numbers oder LibreOffice. Kostenlos, ohne Anmeldung

In Google Tabellen wählst du Datei, Importieren, Hochladen. Ein deutsch eingestelltes Excel erwartet beim Doppelklick oft Semikolons statt Kommas und packt dann alles in eine Spalte; öffne die Datei deshalb über Daten, Aus Text/CSV, und wähle das Komma als Trennzeichen. Fixier danach die Kopfzeile, damit die Spaltennamen sichtbar bleiben, wenn die Liste wächst.

Einstellungsgrößen und ihre Kürzel

In deutschsprachigen Shotlists stehen die Einstellungsgrößen meist als kurze Kürzel, damit die Spalte schmal bleibt. Die Grenzen verschieben sich von Team zu Team ein wenig, die Reihenfolge ist aber überall gleich. Bei internationalen Produktionen liest du dieselben Größen mit englischen Kürzeln.

EinstellungsgrößeKürzelWas im Bild istInternational
Weit oder PanoramaWLandschaft oder Ort, Menschen winzig oder gar nichtEWS
TotaleTDer ganze Schauplatz, Figuren klein darinWS
HalbtotaleHTFiguren von Kopf bis Fuß mit etwas UmgebungFS
AmerikanischAVom Kopf bis etwa zu den KnienMFS
HalbnahHNVom Kopf bis zur HüfteMS
NahNKopf und Oberkörper bis zur BrustMCU
GroßGDas Gesicht füllt das BildCU
DetailDEin Ausschnitt: Augen, eine Hand, ein SchlüsselECU
  • OS (Over-Shoulder): über die Schulter einer Figur auf die andere, das Rückgrat fast jeder Dialogauflösung im Schuss-Gegenschuss.
  • Subjektive oder POV: was eine Figur sieht, von ihrem Standpunkt aus.
  • Insert: ein naher Ausschnitt eines Gegenstands, der in die Szene geschnitten wird, oft getrennt von den Darstellern gedreht.
  • Zweier: zwei Personen in einem Bild. Eine einzelne Person heißt dann Single.

Shotlist-Beispiel für eine kurze Szene

Hier eine Szene aus einem erfundenen Kurzfilm und die ausgefüllte Shotlist dazu. Die Szene ist kurz, kaum eine halbe Drehbuchseite.

INT. WASCHSALON - NACHT

Reihen stiller Maschinen. SEVDA (30er) faltet einen Kinderpulli, immer wieder neu. Die Türglocke. HORST (60er), nasser Mantel, legt einen Hausschlüssel mit Kinderanhänger auf den Tresen.

HORST
Den hast du bei uns liegen lassen.

Sevda sieht nicht auf.

SEVDA
Ich hab ihn nicht liegen lassen.

Er schiebt den Schlüssel zu ihr hin. Sie hört auf zu falten.

Und die Shotlist dazu:

SzeneEinst.GrößePerspektive und BewegungObjektivBeschreibungDarstellerDauerHinweise
121TNormalsicht, statisch24 mmWaschsalon mit Reihen von Maschinen, Sevda klein am hinteren TresenSevda5 sZeigt, wie allein sie ist
122NNormalsicht, langsame Ranfahrt50 mmSevda faltet den Pulli, wieder und wiederSevda8 s
123HNNormalsicht, statisch35 mmDie Tür geht auf, Horst kommt herein und geht zum TresenHorst6 sTürglocke zusätzlich als Nur-Ton aufnehmen
124OS auf HorstNormalsicht, statisch50 mmÜber Sevdas Schulter: „Den hast du bei uns liegen lassen.“Sevda, Horst5 s
125OS auf SevdaNormalsicht, statisch50 mmÜber Horsts Schulter: „Ich hab ihn nicht liegen lassen.“Sevda, Horst5 s
126InsertAufsicht, statisch85 mmHorsts Hand schiebt den Schlüssel über den TresenHorst (Hand)3 sSchlüssel mit Kinderanhänger, Ersatz bereithalten
127DNormalsicht, statisch85 mmSevdas Hände halten auf dem Pulli inneSevda3 sEnde der Szene

Zusammen sind das etwa 35 Sekunden, und genau das sollte eine halbe Seite mit zwei Repliken und viel Schweigen auch ungefähr dauern. Die Einstellungen 4 und 5 sind Schuss und Gegenschuss. Am Set dreht man alle Einstellungen einer Blickrichtung hintereinander, erst alles auf Horst, dann alles auf Sevda, damit das Licht nur einmal umgebaut wird, auch wenn sich die Einstellungen im Schnitt abwechseln.

Shotlist erstellen, Schritt für Schritt

  1. Lies die Szene und markiere jeden Beat, also jeden Moment, in dem sich etwas ändert. Jeder Beat braucht mindestens eine Einstellung.
  2. Entscheide für jeden Beat, was das Publikum sehen muss, und wähle danach die Größe: weit, um zu orientieren, näher, um Gefühl oder ein Detail zu zeigen.
  3. Trag Perspektive, Bewegung und Objektiv nur dort ein, wo sie etwas bedeuten. Eine statische Einstellung auf Augenhöhe ist eine Entscheidung, keine Lücke.
  4. Nummeriere die Einstellungen in der Reihenfolge der Geschichte und schätz die Dauer; die Summe sollte nah an der Länge der Szene liegen.
  5. Füll Darsteller, Motiv und Hinweise aus, damit die Regieassistenz Aufbauten nach Motiv und Besetzung bündeln kann.
  6. Geh die Liste mit der Kamera durch und sortier dann eine Kopie nach Aufbau und Blickrichtung für den Drehtag.

Wenn du zusätzlich ein Storyboard zeichnest, sollten beide dieselben Einstellungsnummern tragen, damit Notizen in einem auch für das andere gelten. Eine gute Übungsszene ist Two Calls aus dem Drehbuchmuseum: Bei der Parallelmontage zweier Telefonate musst du für jede Einstellung entscheiden, zu welchem Ende des Gesprächs sie gehört.

Kamerabewegungen in der Shotlist

Schreib die Bewegung so in die Shotlist, wie das Team sie am Set nennt. Diese Begriffe verstehen die meisten Teams:

BewegungWas die Kamera tutWofür
StatischSteht fest auf dem StativHandlung wirken lassen, beobachten
SchwenkDreht sich auf der Stelle nach links oder rechtsBewegung durchs Bild folgen, etwas enthüllen
Neigung (Tilt)Kippt auf der Stelle nach oben oder untenHöhe zeigen, vom Detail zum Gesicht wandern
Ranfahrt und RückfahrtFährt auf Dolly oder Slider auf das Motiv zu oder davon wegSpannung steigern, lösen oder eine Figur isolieren
ParallelfahrtFährt seitlich neben der Figur herEine gehende Figur begleiten
KranHebt oder senkt sich durch den RaumEine Szene öffnen oder schließen, Größe zeigen
HandkameraWird getragen und atmet mitDringlichkeit, Unruhe, dokumentarischer Eindruck
Gimbal oder SteadicamBewegt sich getragen, aber ruhigRäume ohne Schnitt durchqueren
ZoomÄndert die Brennweite, ohne sich zu bewegenEin bewusstes, sichtbares Heranholen oder Enthüllen

Die Shotlist mit dem Team teilen

Eine Shotlist ist ein gemeinsames Dokument. Regie und Kamera schreiben sie, die Regieassistenz macht daraus den Drehplan und die Tagesdisposition, und am Drehtag hakt Script/Continuity jede Einstellung ab. Halte eine einzige Fassung, mit der alle arbeiten, sortier sie für die Planung nach Motiv und Aufbau und für den Schnitt zurück in die Reihenfolge der Geschichte. Kommt am Set eine Einstellung dazu, bekommt sie einen Buchstaben, etwa 12C, statt dass du die Liste neu nummerierst. So passen Notizen und Klappe weiter zusammen.

Hat der Schnitt genug Material?

Lies die Liste vor dem Dreh so, wie sie der Schnitt lesen wird. Jede Szene braucht eine Einstellung, die zeigt, wo die Leute sind, nahe Einstellungen für die Momente, auf die es ankommt, und Stellen, an denen man schneiden kann: eine Reaktion, ein Insert, ein Zwischenschnitt. Besteht eine Szene aus einer einzigen Einstellung, sollte das eine Entscheidung sein und kein Versehen. Für Dialogszenen ist ein häufiges Muster ein Master in der Halbtotalen, zwei OS-Einstellungen und zwei Nahe.

Shotlist erstellen in Scenaloom

In Scenaloom gehören die Einstellungen zur Szene, in der sie gedreht werden: Öffne „Storyboard“, leg unter einer Szenenüberschrift Einstellungen an oder wähle „Einstellungen vorschlagen“ und setz für jede Einstellungsgröße, Kamerawinkel, Kamerabewegung, Objektiv, Dauer und eine Spielnotiz. Dieselben Einstellungen erscheinen als Storyboard, als Tabelle in der Shot-Liste und auf der Leinwand, und über „Exportieren“ lädst du sie als CSV-Tabelle für Excel oder Google Tabellen herunter. Mehr unter Storyboards und Produktion, oder leg ein Projekt an.

Häufige Fragen

Was gehört in eine Shotlist?

Szenennummer, Einstellungsnummer, Einstellungsgröße, Perspektive, Kamerabewegung, Objektiv, eine kurze Beschreibung dessen, was die Einstellung zeigt, die Darsteller im Bild, das Motiv und eine geschätzte Dauer oder Hinweise. Kleine Drehs lassen Objektiv und Perspektive oft weg; größere ergänzen eine Spalte Status, um am Set abzuhaken.

Was bedeuten T, HN, N, G und D in einer Shotlist?

Das sind Einstellungsgrößen: T steht für Totale, HN für Halbnah (Kopf bis Hüfte), N für Nah (Kopf bis Brust), G für Groß (das Gesicht) und D für Detail, etwa Augen oder eine Hand. OS heißt Over-Shoulder, also über die Schulter, und POV oder Subjektive zeigt, was eine Figur sieht. International stehen dafür Kürzel wie WS, MS, CU und ECU.

Was ist der Unterschied zwischen Shotlist und Storyboard?

Die Shotlist beschreibt jede geplante Einstellung in Worten in einer Tabelle, mit Größe, Perspektive, Bewegung, Objektiv und Handlung. Das Storyboard zeichnet dieselben Einstellungen als Bildfolge. Viele Produktionen nutzen beides mit denselben Nummern: Das Storyboard zeigt, wie die Szene aussieht, die Shotlist ordnet, wie sie gedreht wird.

Was ist die Auflösung beim Film?

Die Auflösung ist die Zerlegung einer Szene in einzelne Einstellungen: welche Größen, welche Blickrichtungen, welche Bewegungen. Regie und Kamera erarbeiten sie vor dem Dreh, und das Ergebnis steht in der Shotlist oder im Storyboard.

Wer erstellt die Shotlist?

Meist die Regie, oft zusammen mit der Kamera, die Objektive, Bewegungen und Lichtbedarf ergänzt. Die Regieassistenz bündelt die Aufbauten dann im Drehplan. Bei kleinen Produktionen schreibt oft eine Person Drehbuch, Shotlist und Drehplan.

Muss ich als Autorin oder Autor eine Shotlist schreiben?

Für ein Drehbuch, das du anbietest, nicht. Im Drehbuch beschreibst du, was das Publikum sieht, und überlässt die Kamera der Regie. Eine Shotlist wird nützlich, sobald ein Drehbuch in die Produktion geht oder du deinen eigenen Kurzfilm inszenierst und den Dreh planen musst.