
Die Tagesdisposition, am Set kurz Dispo genannt, ist das Blatt, das allen, die an einem Drehtag arbeiten, sagt, wann sie wo sein müssen und was gedreht wird. Sie geht am Vorabend an Team und Besetzung, gelesen wird sie abends und am Morgen gleich noch einmal. International heißt sie Call Sheet. Die Vorlage unten folgt der Reihenfolge, in der man sie liest: zuerst die eigene Uhrzeit, dann den Ort, dann die Arbeit.

Die Feldnamen der Vorlagen sind englisch. Welcher deutsche Begriff dazugehört, steht in der Tabelle weiter unten; in der CSV-Datei überschreibst du sie in wenigen Minuten.
Was ist eine Tagesdisposition?
Die Tagesdisposition ist der Tagesplan eines Film- oder Videodrehs für das ganze Team. Sie nennt den Arbeitsbeginn, den geplanten Drehbeginn mit der ersten Klappe, das Motiv mit Adresse, Parken und nächstem Krankenhaus, die Szenen in der Reihenfolge, in der sie gedreht werden, und für jede Rolle die Zeiten für Abholung, Maske und Kostüm und Set. Bei einem kleinen Dreh passt sie auf eine Seite, bei einem großen werden es mehrere, aber die erste Seite trägt immer das Wichtigste.
Die Dispo ist nicht der Drehplan. Der Drehplan verteilt alle Szenen auf alle Drehtage; die Dispo nimmt einen dieser Tage und macht daraus einen Fahrplan mit Uhrzeiten, Namen und Adressen.
Was in die Tagesdisposition gehört
- Kopf: Titel der Produktion, Datum und Drehtag, etwa „3. von 22 Drehtagen“, dazu Regie und Produktion.
- Zeiten: Arbeitsbeginn oder Treffpunkt für das Team, Drehbeginn mit der ersten Klappe, Mittagspause und voraussichtlicher Drehschluss. Abteilungen, die früher anfangen, wie Maske und Kostüm, bekommen eigene Zeiten.
- Motiv und Sicherheit: die Adresse des Motivs, wo geparkt wird, die Basis mit Garderobe, Maske und Catering, das nächste Krankenhaus mit Notaufnahme, Adresse und Telefonnummer, das Wetter und für Außenszenen Sonnenauf- und Sonnenuntergang.
- Szenenfolge: die Szenen in Drehreihenfolge, jeweils mit Motiv, Kurzinhalt, Tag oder Nacht, Länge in Achteln und den Rollennummern.
- Besetzung: jede Darstellerin und jeder Darsteller mit Rollennummer und Rolle, dazu die Zeiten für Abholung, Maske und Kostüm und am Set.
- Komparsen und Doubles: wie viele, was sie darstellen, wann sie da sein müssen und was sie anziehen.
- Team: Abteilung, Name, Telefonnummer und Arbeitsbeginn der Abteilungsleitungen.
- Hinweise: Besonderheiten des Tages wie Regenanlage, Tiere oder ein geschlossenes Set und bei längeren Drehs eine Vorschau auf den nächsten Drehtag.
Begriffe in der Vorlage: Englisch und Deutsch
| In der Vorlage | Auf der deutschen Dispo | Was es bedeutet |
|---|---|---|
| Shoot day | Drehtag | Laufende Nummer des Tages, etwa 3 von 22 |
| General crew call | Arbeitsbeginn Team | Wann das Team anfängt: Ausladen, Licht, Aufbau |
| Shooting call | Drehbeginn, erste Klappe | Wann die erste Einstellung gedreht werden soll |
| Lunch | Mittagspause | Auch bei Nachtdrehs die große Pause |
| Estimated wrap | Voraussichtlicher Drehschluss | Wann der Drehtag enden soll |
| Set address, Parking | Motiv, Parken | Wo gedreht und wo geparkt wird |
| Nearest hospital | Nächstes Krankenhaus | Notaufnahme mit Adresse und Telefon |
| Cast, Pickup | Besetzung, Abholung | Wer wann abgeholt wird |
| Hair and makeup | Maske | Wann jemand in der Maske sitzt |
| Extras | Komparsen | Menschen im Hintergrund |
| Advance schedule | Vorschau | Was am nächsten Drehtag ansteht |
Wer schreibt die Dispo, und wann geht sie raus?
In Deutschland schreibt meist die Regieassistenz die Tagesdisposition, zusammen mit der Aufnahmeleitung, die Motiv, Anfahrt, Parken und Basis beisteuert; in Österreich liegt sie oft ganz bei der Aufnahmeleitung. Die Produktion gibt sie frei. Verschickt wird sie am Vorabend, sobald der Tag feststeht. Ändert sich danach etwas, geht eine neue Dispo mit neuer Fassungsnummer an alle, niemals nur eine Korrektur in der Messenger-Gruppe, die die Hälfte überliest.
Eine Tagesdisposition erstellen
- Fang beim Drehbuchauszug an. Er listet Szene für Szene Rollen, Requisiten, Kostüme und Effekte. Wie er entsteht, steht im Ratgeber zum Drehbuchauszug.
- Nimm die Szenen des Tages aus dem Drehplan, in der Reihenfolge, in der sie gedreht werden, mit ihrer Länge in Achteln.
- Rechne die Zeiten der Besetzung vom Drehbeginn rückwärts: Wer um 08:00 am Set sein muss und 45 Minuten Maske braucht, sitzt um 07:15 in der Maske und wird davor abgeholt.
- Plan die Mittagspause ein. In Deutschland verlangt das Arbeitszeitgesetz, dass niemand länger als sechs Stunden am Stück ohne Pause arbeitet; vom Arbeitsbeginn aus gerechnet liegt die Pause also spätestens nach sechs Stunden.
- Trag Motiv und Sicherheit zuletzt ein und prüf Adresse, Parken und Krankenhaus gegen den Motivvertrag, das Wetter am Abend vorher.
- Verschick die Dispo am Vorabend, und bei jeder Änderung eine neue Fassung.
Beispiel: eine Dispo für einen Nachtdreh
Ein Nachtdreh für die erste Szene von Last Call, einem der kurzen Drehbücher aus dem Drehbuchmuseum. Zuerst die Szenenfolge des Tages, dann die Besetzung:
| Szene | Motiv und Inhalt | T/N | Länge | Rollen |
|---|---|---|---|---|
| 1 | INT. DINER: Ein durchnässter junger Mann fragt nach Kaffee und schüttet eine Tüte Geld auf den Tresen | N | 4/8 | 1, 2 |
| Nr. | Rolle | Abholung | Maske und Kostüm | Am Set | Hinweise |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | MARA | 18:30 | 19:00 | 20:00 | |
| 2 | JONAS | 19:00 | 19:30 | 20:00 | Nass-Look; zweite Jacke für den Anschluss |
Unter Hinweise stünden für diesen Tag der Regen an den Scheiben als Spezialeffekt, das Filmgeld, das vor der Kamera echt wirken muss, ohne echt zu sein, und ein geschlossenes Set, solange das Diner für die Nacht ausgeleuchtet wird. Die Mittagspause läge bei einem Arbeitsbeginn um 18:00 spätestens um Mitternacht.
Häufige Fehler bei der Dispo
- Ein Drehbeginn, der nach dem Arbeitsbeginn keine Zeit für Licht und Probe lässt.
- Zeiten der Besetzung ohne Maske und Kostüm, sodass die erste Einstellung auf jemanden im Maskenstuhl wartet.
- Szenen in der Reihenfolge des Drehbuchs statt in der Drehreihenfolge.
- Kein Krankenhaus, kein Parkplatz oder eine Adresse, die zum falschen Eingang eines großen Gebäudes führt.
- Eine Mittagspause, die auf dem Papier fehlt und am Set dann zur falschen Zeit von selbst stattfindet.
Vom Drehbuch zur Dispo mit Scenaloom
Eine Tagesdisposition erstellt Scenaloom nicht, aber es hält vieles bereit, was hineingehört. Die Ansicht „Szenen“ listet jede Szene deines Drehbuchs mit Überschrift und Länge; in der Story-Bibel zeigt jede Figur, jeder Ort und jede Requisite die Szenen, in denen sie vorkommen; und Szenen, Besetzung, Orte und Requisiten exportierst du als CSV-Tabellen, die du in diese Vorlage überträgst. Mehr unter Storyboards und Produktion.
Häufige Fragen
Was bedeutet Dispo beim Film?
Dispo ist die Kurzform von Tagesdisposition: der Plan für einen einzelnen Drehtag mit Zeiten, Motiv, Szenen, Besetzung und Team. Mit dem Dispokredit der Bank hat das nichts zu tun.
Wer erstellt die Tagesdisposition?
Bei Film- und Fernsehdrehs schreibt meist die Regieassistenz die Dispo aus Drehplan und Drehbuchauszug, zusammen mit der Aufnahmeleitung, und die Produktion gibt sie frei. In Österreich übernimmt oft die Aufnahmeleitung. Bei kleinen Drehs macht das häufig die Regie oder die Produktion selbst.
Wann wird die Dispo verschickt?
Am Abend vor dem Drehtag, sobald die Arbeit des Tages feststeht, damit alle ihren Morgen planen können. Ändert sich danach etwas, geht eine überarbeitete Dispo an alle.
Was ist der Unterschied zwischen Arbeitsbeginn und Drehbeginn?
Zum Arbeitsbeginn kommt das Team und fängt an: ausladen, Licht setzen, aufbauen. Der Drehbeginn ist der Moment, in dem die erste Einstellung gedreht werden soll, also die erste Klappe. Dazwischen liegt die Zeit, die die erste Einstellung zum Vorbereiten braucht.
Ist die Tagesdisposition dasselbe wie der Drehplan?
Nein. Der Drehplan umfasst den ganzen Dreh, Tag für Tag. Die Tagesdisposition gilt für einen einzigen Tag, ergänzt die Menschen und Uhrzeiten dieses Tages und die praktischen Angaben: Motiv, Parken, Sicherheit und Wetter.