V.O. (Voice-over) kennzeichnet Text, den jemand spricht, der körperlich nicht in der Szene ist: eine Erzählstimme, die Gedanken einer Figur, eine Aufnahme oder eine Stimme am Telefon. O.S. (off-screen) kennzeichnet eine Figur, die am Ort der Szene ist, aber außerhalb des Bildes, etwa jemanden, der aus dem Nebenzimmer ruft; in deutschen Drehbüchern steht dafür häufig (OFF).

Voice-over (V.O.) und Off (O.S.)

Beides sind Zusätze in Klammern hinter dem Namen im Rollennamen: NOOR (V.O.). After the Flood verwendet V.O., weil Noor von einem späteren Zeitpunkt aus erzählt, außerhalb der Szenen, die wir sehen.

Wie die Erzählung dem Bild widerspricht

Voice-over gegen das Bild heißt, dass Erzählung und Bilder nicht übereinstimmen, sodass die Szene mehr bedeutet, als jede Ebene allein sagt. Schwaches Voice-over beschreibt, was wir ohnehin sehen; After the Flood macht das Gegenteil:

  • „Meine Mutter hat immer gesagt, unser Haus bringt Glück“ läuft über Schlamm bis zu den Fensterbänken und ein Sofa auf einem Dach.
  • „Zu hoch, zu stark, zu stur“ läuft, während Noor ein Familienfoto ausspült und die Gesichter „verschwimmen und zerlaufen“.
  • „Mit stur hatte sie recht“ dreht den Widerspruch um: Das Haus hat kein Glück gebracht, aber ihre Mutter ist noch da.

Das letzte Bild hat keine Erzählung. Die Mutter hält den leeren Rahmen vor die Straße, sodass er „die Stadt, die noch steht“ einrahmt, und lacht. Die Stimme tritt zurück, sobald das Bild den Gedanken zu Ende führen kann.

V.O. im Drehbuch formatieren

Setz den Zusatz an den Rollennamen, nie in den Dialog oder in eine Regieanweisung, und halte die Erzählung kurz, damit sie zwischen die Bilder passt:

EXT. OBSTGARTEN - MORGENGRAUEN

Raureif auf jedem Apfel. PAUL (12) pflückt einen und beißt hinein.

PAUL (V.O.)
Opa hat gesagt, der erste Frost macht sie süßer.

Paul spuckt das Stück aus und wirft den Apfel gegen den Zaun.

Eine Erzählung, die über mehrere Szenen läuft wie die von Noor, bekommt in jeder Szene einen neuen Rollennamen. Der Ratgeber zum Drehbuch-Aufbau listet alle Zusätze, und Montage und Rückblende behandelt Erzählstimmen über einer Bildfolge. In Scenaloom sind Rollennamen eigene Elemente; siehe Formatierung.

Wann sich eine Erzählstimme lohnt

Nimm Voice-over, wenn es etwas hinzufügt, das das Bild nicht kann: eine unzuverlässige Sicht, Ironie, zeitlichen Abstand, Worte, die eine Figur nie laut sagen könnte. Good Bye, Lenin! (2003) ist ein bekanntes deutsches Beispiel: Alex führt als Erzählstimme durch die Geschichte und blickt aus dem Abstand auf die Ereignisse. Lass Voice-over weg, wenn es nur die Handlung erklärt oder Gefühle benennt, die die Schauspieler ohnehin spielen.

Typische Fehler beim Voice-over

  • Das Bild beschreiben: „Ich ging in das zerstörte Haus“ über einer Einstellung, in der jemand in das zerstörte Haus geht.
  • Die Geschichte flicken, etwa ein Motiv erklären, das die Szenen nie angelegt haben.
  • Den Zusatz weglassen, sodass die Lesenden Erzählung und Dialog im Bild nicht auseinanderhalten können.

Probier es aus

  1. Schreib eine kurze Szene ohne Dialog, die einen Verlust zeigt.
  2. Füg drei Zeilen Voice-over hinzu, in denen die Erzählstimme etwas glaubt, das die Bilder widerlegen.
  3. Ende mit einem Bild ohne Erzählung. Öffne dann After the Flood im Drehbuch-Editor, ändere nur das Voice-over und sieh zu, wie dieselben Bilder ihre Bedeutung ändern.

Häufige Fragen

Was bedeutet V.O. im Drehbuch?

V.O. steht für Voice-over. Hinter dem Namen im Rollennamen, etwa NOOR (V.O.), zeigt es, dass die Stimme zu hören ist, die sprechende Person aber nicht körperlich in der Szene: Erzählung, innere Gedanken, eine Aufnahme oder das andere Ende eines Telefonats.

Was ist der Unterschied zwischen V.O. und O.S. (OFF)?

V.O. ist für eine Stimme außerhalb von Raum oder Zeit der Szene, etwa eine Erzählstimme oder jemanden am Telefon. O.S., im Deutschen oft (OFF), ist für eine Figur, die am Ort ist, aber außerhalb des Bildes, etwa jemanden, der aus dem Flur ruft. Könnte die Figur ins Bild laufen, nimm O.S.

Wie schreibt man eine Erzählstimme im Drehbuch?

Setz (V.O.) an den Rollennamen und schreib die Erzählung als Dialog darunter. Halte jeden Block kurz und stell ihn zwischen Handlungszeilen, damit die Bilder in Bewegung bleiben. Die stärkste Erzählung fügt eine Sicht hinzu, die die Bilder nicht haben, etwa Ironie, Erinnerung oder Zweifel, statt zu beschreiben, was zu sehen ist.