
Worldbuilding, auf Deutsch Weltenbau, heißt festzuhalten, wie eine erfundene Welt funktioniert: ihre Regeln, Orte, Geschichte, Gruppen, Figuren, ihren Ton und die Handlungsbögen, die darin spielen. Eine Worldbuilding-Vorlage gibt dafür feste Abschnitte vor. Wenn du sie aktuell hältst, wird sie zur Story-Bibel, in der jede Fassung, jede Folge und alle, die mitschreiben, nachschlagen, damit die Welt stimmig bleibt.
Hier findest du eine Vorlage zum Kopieren, ein ausgefülltes Beispiel für eine eigene Serie und Hinweise, wie eine Bibel nützlich bleibt, statt ins Uferlose zu wachsen. Die Vorlage funktioniert für Fantasy und Science-Fiction, aber auch für bodenständige Stoffe: Eine Krankenhausserie oder ein Krimi auf dem Dorf hat genauso Regeln, Orte und eine Vorgeschichte.
Was ist eine Story-Bibel?
Eine Story-Bibel ist ein einziges Dokument, das die Fakten einer erzählten Welt und ihrer Figuren sammelt, damit sie über ein langes Werk hinweg stimmen. Wer eine Romanreihe schreibt, führt eine für alle Bände; beim Fernsehen gibt es die Serienbibel, die neuen Autorinnen und Autoren, Produktion und Sender erklärt, was die Serie ist.
Die private Bibel einer Autorin kann eine lose Notizensammlung sein. Eine Serienbibel für andere muss dagegen auch überzeugen: Sie beginnt mit Prämisse und Ton und zeigt, wie die Serie Folgen hervorbringt, nicht nur, was in der Welt vorkommt.
Eine Fantasywelt erschaffen: womit anfangen?
Wer eine Fantasywelt erstellen will, beginnt oft mit Landkarten, Sprachen und einer Geschichte über Jahrtausende und kommt nie bei der ersten Szene an. Fang andersherum an: mit einer Figur und ihrem Problem, dann mit der einen Regel, die diese Welt von unserer unterscheidet, und mit dem, was diese Regel kostet. Karte, Götter und Königshäuser kommen dazu, sobald eine Szene nach ihnen fragt. Für den Roman steht mehr dazu im Ratgeber Roman schreiben.
Die Worldbuilding-Vorlage
Kopier diese Abschnitte. Füll die ersten drei vor allem anderen aus; der Rest darf wachsen, wenn die Geschichte ihn braucht.
1. Prämisse und Ton
- Logline: ein Satz, wer was will und was im Weg steht. Siehe Logline.
- Zentrales Thema: die Frage, zu der die Geschichte immer wieder zurückkehrt.
- Ton: zwei oder drei Vergleichswörter und eine Sache, die die Geschichte niemals tun wird.
2. Regeln der Welt
- Was in dieser Welt anders ist als in unserer, formuliert als Regeln, nicht als Beschreibungen.
- Der Preis oder die Grenze jeder Regel. Eine Regel ohne Preis erzeugt keine Geschichte.
- Wer die Regeln kennt und wer nicht.
3. Orte
- Jeder wiederkehrende Ort: Name, wie er aussieht und klingt, wer ihn beherrscht, was dort passiert.
- Wie die Orte zusammenhängen: Entfernungen, Reisezeiten, Grenzen.
4. Geschichte
- Drei bis fünf Ereignisse vor Beginn der Handlung, die bis heute nachwirken. Den Rest lässt du weg.
- Das Geheimnis: was wirklich passiert ist, wenn es sich von dem unterscheidet, was die Leute glauben.
5. Gruppen und Institutionen
- Gruppen, Familien, Firmen oder Regierungen: was jede will, wer sie führt und mit wem sie im Konflikt steht.
6. Figuren
- Haupt- und wiederkehrende Figuren mit Ziel, Bedürfnis, Geheimnis und einer Zeile dazu, wie sie sprechen. Für die ausführliche Fassung nimm den Charakterbogen.
- Beziehungen: wer wem etwas schuldet, wer wen liebt, wer wen belügt.
7. Handlungsbögen
- Für einen Film: die wichtigsten Wendepunkte. Für einen Roman: der Bogen jedes Bandes oder Teils.
- Für eine Serie: der Bogen der Staffel, welche Art Geschichte eine typische Folge erzählt und wohin spätere Staffeln gehen könnten.
8. Glossar und offene Fragen
- Erfundene Wörter, Schreibweisen und Titel, damit alle dieselben benutzen.
- Entscheidungen, die noch nicht gefallen sind, gut sichtbar, damit niemand aus Versehen eine Antwort erfindet.
Eine ausgefüllte Story-Bibel als Beispiel
Hier eine kurze Bibel für eine eigene Serie: „Trockenfallen“, ein Mystery in sechs Folgen.
- Logline: Als eine Talsperre im Sauerland für Reparaturen abgelassen wird, taucht das 1962 geflutete Dorf Kallenbach wieder auf, und die neue Polizistin im Ort muss herausfinden, warum die Alten darüber schweigen.
- Zentrales Thema: Was verschweigen Menschen, wenn das, was sie vergraben haben, wieder ans Licht kommt?
- Ton: nass, lakonisch, langsam brennend. Die Serie wird nie zur Geistergeschichte: Alles, was passiert, haben Menschen getan.
- Regel 1: Das Wasser bleibt ein halbes Jahr weg, dann wird wieder geflutet. Was bis dahin nicht gefunden ist, verschwindet für Jahrzehnte.
- Regel 2: Der Schlamm im Seebett trägt nur auf den markierten Wegen. Wer abseits geht, sinkt ein, und nachts sind die Markierungen nicht zu sehen.
- Regel 3: Alles, was 1962 im Dorf zurückblieb, liegt jetzt offen da, für alle, die suchen.
- Preis: Ohne Stausee bleiben Segler und Campinggäste weg. Jeden Monat ohne Wasser macht ein Betrieb im Ort zu.
- Orte: der Gasthof „Zur Sperrmauer“, die Staumauer, die freigelegte Kirchturmruine von Kallenbach, der leere Campingplatz, die Polizeistation im alten Bahnhof.
- Geschichte: 1962 wurde Kallenbach geflutet. Offiziell waren alle Familien rechtzeitig umgezogen. Drei Höfe sollen sich geweigert haben.
- Gruppen: der Talsperrenverband, der das Seebett absperren will; die Familie Brügger, deren Baufirma damals die Mauer gebaut hat und der heute der halbe Ort gehört; der Heimatverein, der die Kirchenglocke bergen will.
- Figuren: Polizeioberkommissarin Selin Arslan, neu, aus Bochum versetzt, ehrlich bis zur Unhöflichkeit; Bernd Brügger, Bürgermeister, charmant, meidet die Kirchenruine.
- Bogen der Staffel: In den Folgen eins bis drei tauchen im Schlamm Gegenstände auf, die die offizielle Geschichte der Flutung zerlegen; in Folge vier erreicht Selin die Kirche; in fünf und sechs entscheidet der Ort, ob er die Wahrheit herauslässt, bevor das Wasser zurückkommt.
- Motor der Folgen: Jede Folge beginnt mit einem Fund im Seebett und endet mit dem, was er über jemanden im Ort verrät.
- Offene Frage: Hat Selins Familie etwas mit Kallenbach zu tun?
Vierzehn Zeilen, und wer neu dazukommt, könnte daraus eine Folge entwickeln. Das ist der Test jeder Bibel: Kann jemand anderes in dieser Welt schreiben, ohne dich zu fragen?
Serienbibel und Weltenbau-Notizen
Eine Serienbibel ist die Fassung der Story-Bibel, die für andere geschrieben ist: für Produktion, Sender, Streamingdienst oder einen Writers' Room. Sie beginnt mit Prämisse, Ton, Figuren und dem Motor der Folgen, hält die Regeln der Welt kurz und enthält meist eine Zusammenfassung des Piloten und einige Ideen für weitere Folgen. Weltenbau-Notizen sind dagegen deine eigene Sammlung und dürfen so lang und unordentlich sein, wie es hilft. Viele führen beides: private Notizen und eine Bibel mit 10 bis 20 Seiten, die daraus entsteht, wenn es ans Pitchen geht. Wie Bibel und Pilotfolge zusammenspielen, erklärt der Ratgeber Serie schreiben.
So bleibt eine Story-Bibel nützlich
- Schreib nur auf, was die Geschichte nutzt oder nutzen wird. Eine Chronik aller Jahrhunderte ist ein zweites Projekt, keine Bibel.
- Aktualisiere sie am selben Tag, an dem die Fassung eine Tatsache ändert. Eine falsche Bibel ist schlimmer als keine.
- Schreib den Preis jeder Regel direkt neben die Regel.
- Versieh die Bibel mit Datum oder Fassungsnummer, sobald sich andere auf sie verlassen, damit alle wissen, welche Fakten gelten.
- Lies sie vor jeder neuen Fassung oder Folge. Das geht schneller, als das ganze Drehbuch noch einmal zu lesen.
Worldbuilding in Scenaloom
In Scenaloom steht die Story-Bibel eines Projekts im Weltbild, als Einträge: Logline, zentrales Thema und beliebig viele eigene Einträge, auf Wunsch mit einer Vorlage als Ausgangspunkt. Romanprojekte haben eine Story-Bibel mit Genre, Stil, Exposé und Weltenbau sowie Elementen wie Orten, Gruppen, „Überlieferung und Geschichte“ oder „Magie oder Technik“. Scenaloom AI liest die Bibel vor jeder Antwort, deshalb halten sich die Vorschläge an deine Regeln. Mehr in der Hilfe zu Weltbild und Wissen, oder leg ein Projekt an.
Häufige Fragen
Was gehört in eine Worldbuilding-Vorlage?
Prämisse und Ton, die Regeln der Welt mit ihrem Preis, die wiederkehrenden Orte, die Vorgeschichte, die noch nachwirkt, Gruppen und was sie wollen, die wichtigsten Figuren und Beziehungen, die Handlungsbögen von Geschichte oder Staffel, ein Glossar und eine Liste offener Fragen. Füll Prämisse, Regeln und Orte zuerst aus.
Wie erstelle ich eine Fantasywelt?
Fang bei der Geschichte an, nicht bei der Karte. Leg fest, wer die Hauptfigur ist und was sie will, dann die eine Regel, die deine Welt von unserer unterscheidet, und was diese Regel kostet. Orte, Geschichte und Völker ergänzt du, sobald eine Szene sie braucht. Grenzen der Magie erzeugen mehr Spannung als unbegrenzte Möglichkeiten.
Was ist der Unterschied zwischen Story-Bibel und Serienbibel?
Eine Story-Bibel ist jedes Dokument, das die Fakten einer erzählten Welt und ihrer Figuren festhält, damit sie stimmig bleiben. Eine Serienbibel ist eine Story-Bibel für eine Fernsehserie und ihre Leser, also Produktion, Sender und andere Autorinnen und Autoren. Deshalb enthält sie zusätzlich Prämisse, Ton, den Motor der Folgen und die Bögen der Staffeln.
Wie lang ist eine Serienbibel?
Eine Serienbibel zum Pitchen hat meist 10 bis 20 Seiten: Prämisse, Ton, Figuren, Welt, der Bogen der ersten Staffel und eine Handvoll Ideen für Folgen. Interne Bibeln laufender Serien können viel länger werden, eine Pitch-Bibel sollte sich aber in einem Rutsch lesen lassen.
Brauche ich eine Story-Bibel für einen einzelnen Film?
Ein Spielfilm braucht selten eine vollständige Bibel, aber eine kurze hilft, wenn die Welt ungewöhnliche Regeln hat, wenn mehrere Leute schreiben oder wenn aus dem Film eine Reihe werden soll. Oft reicht eine Seite mit Logline, Regeln, Orten und Hauptfiguren.
Wie fange ich mit Worldbuilding an, ohne mich zu verzetteln?
Fang bei der Geschichte an, nicht bei der Welt: Schreib die Logline und dann nur die Regeln, Orte und Vorgeschichte, die der erste Akt braucht. Ergänze jedes Mal, wenn die Fassung eine Frage stellt. Weltenbau, den keine Szene nutzt, kann warten, bis eine Szene ihn braucht.