Ein offenes Notizbuch mit Handschrift, ein Füller und eine Tasse Tee

Um einen Roman zu schreiben, legst du vorab Genre, Erzählperspektive und den groben Plot fest, schreibst dann eine erste Fassung Kapitel für Kapitel bis zum Ende und überarbeitest sie anschließend in mehreren Durchgängen. Entscheidend ist weniger Talent als Regelmäßigkeit: Wer jeden Tag 500 Wörter schreibt, hat nach einem halben Jahr rund 90.000 Wörter beisammen, so viel wie ein ganzer Roman.

Diese Anleitung gilt für Romane aller Genres, mit eigenen Hinweisen für Fantasy. Sie richtet sich an alle, die zum ersten Mal ein Buch zu Ende bringen wollen, und endet dort, wo das Manuskript an Testleser, Agentur oder Verlag geht.

Vor dem Schreiben: Genre, Perspektive und Plot

Drei Entscheidungen ersparen dir später die meisten Umwege.

Genre

Das Genre bestimmt, was Leserinnen und Leser erwarten: Ein Krimi braucht ein Rätsel, ein Liebesroman eine Beziehung, die auf dem Spiel steht, Fantasy eine Welt mit eigenen Regeln. Lies drei bis fünf aktuelle Romane deines Genres und notiere, wie lang sie sind und wann der erste große Konflikt einsetzt. Ein Regionalkrimi aus dem Allgäu folgt anderen Erwartungen als ein skandinavischer Thriller, auch wenn beide mit einer Leiche beginnen.

Erzählperspektive

Ich-Erzählung oder dritte Person, eine Perspektivfigur oder mehrere: Diese Wahl prägt jede Zeile. Die personale Erzählweise, in der dritten Person eng an einer Figur, ist für den Anfang oft die sicherste Wahl, weil sie Nähe erlaubt und trotzdem Spielraum lässt. Innerhalb einer Szene solltest du bei einer Perspektive bleiben. Leg auch die Zeitform fest: Im Deutschen ist das Präteritum der Normalfall, das Präsens wirkt unmittelbarer, verzeiht aber weniger.

Plot

Du musst nicht jedes Kapitel vorab planen, aber Anfang, Wendepunkt in der Mitte und Ende solltest du kennen. Manche schreiben eine Gliederung mit allen Szenen, andere eine Seite mit den wichtigsten Stationen. Beides funktioniert, solange du weißt, wohin die Geschichte will. Vorlagen für beide Wege stehen im Ratgeber Plot schreiben.

Fantasy-Roman schreiben: die Welt

Bei Fantasy kommt die Welt dazu: Magie, Geschichte, Machtverhältnisse. Leg die Regeln fest, bevor du schreibst, vor allem, was Magie kostet und was sie nicht kann; Grenzen erzeugen Spannung. Zeig die Welt aber durch die Handlung, nicht in Kapiteln voller Erklärungen. Eine Vorlage mit den wichtigsten Abschnitten findest du unter Worldbuilding.

Einen Roman schreiben in sieben Schritten

  1. Formuliere die Prämisse in einem Satz: Wer will was, und was steht im Weg?
  2. Entwirf die Hauptfiguren mit Ziel, Schwäche und Geheimnis. Eine Figur ohne Schwäche hat nichts zu lernen. Ein Charakterbogen hilft, die wichtigsten Fragen auf einer Seite zu beantworten.
  3. Plane die Handlung grob: Ausgangslage, auslösendes Ereignis, Mitte, Krise, Höhepunkt, Ende.
  4. Setz dir ein Schreibziel, etwa 500 Wörter am Tag oder drei feste Stunden pro Woche, und halte es auch an schlechten Tagen ein.
  5. Schreib die erste Fassung bis zum Ende, ohne zurückzugehen. Notiere Probleme am Rand, statt sie sofort zu lösen.
  6. Lass das Manuskript einige Wochen liegen, bevor du es überarbeitest. Mit Abstand siehst du, was wirklich auf der Seite steht.
  7. Überarbeite in Durchgängen und gib die Fassung danach an Testleserinnen und Testleser.

Kapitel aufbauen

Ein Kapitel ist eine Einheit mit einem eigenen kleinen Bogen: Eine Figur will etwas, stößt auf Widerstand, und am Ende hat sich die Lage verändert. Viele Romane haben Kapitel mit 2.000 bis 5.000 Wörtern, eine feste Regel gibt es aber nicht.

  • Steig spät ein: Beginne die Szene, wenn schon etwas passiert.
  • Ende mit einer offenen Frage, einer Entscheidung oder einer neuen Information, damit man weiterblättert.
  • Wechsle die Perspektive, wenn überhaupt, an Kapitelgrenzen.
  • Notiere für jedes Kapitel einen Satz: was sich darin ändert. Fällt dir kein Satz ein, ist das Kapitel ein Kandidat zum Streichen.

Dialoge, die lebendig klingen

Gute Dialoge klingen wie gesprochene Sprache, sind aber dichter. Menschen antworten selten direkt, unterbrechen sich und sagen weniger, als sie meinen. Lies deine Dialoge laut: Was sich nicht sprechen lässt, klingt auch auf dem Papier falsch. Mehr zu Stimme und Untertext steht im Ratgeber Dialog schreiben; er ist fürs Drehbuch geschrieben, das Handwerk ist aber dasselbe.

Halte die Begleitsätze schlicht. „Sagte sie“ fällt beim Lesen kaum auf, „hauchte sie geheimnisvoll“ dagegen schon. Oft reicht eine Handlung statt eines Begleitsatzes: „Ich komme nicht.“ Sie stellte die Tasse ab. Im Deutschen stehen Dialoge in Anführungszeichen, entweder „so“ oder »so«, und bei jedem Sprecherwechsel beginnt ein neuer Absatz.

Überarbeiten in Durchgängen

Wer alles auf einmal verbessern will, verbessert wenig. Nimm dir pro Durchgang eine Frage vor:

  1. Struktur: Stimmt die Reihenfolge? Fehlen Szenen, gibt es doppelte?
  2. Figuren: Will jede Hauptfigur etwas, und verändert sie sich?
  3. Szenen: Hat jede Szene einen Konflikt und ein Ergebnis?
  4. Sprache: Füllwörter, Wiederholungen, zu lange Sätze.
  5. Korrektur: Rechtschreibung, Zeichensetzung, Namen und Daten.

Das Manuskript: Normseite und Umfang

Im deutschsprachigen Verlagswesen wird ein Manuskript in Normseiten gerechnet. Eine Normseite hat 30 Zeilen mit je höchstens 60 Anschlägen, also bis zu 1.800 Zeichen mit Leerzeichen, meist in einer Schrift mit fester Zeichenbreite wie Courier in 12 Punkt. Weil Absätze und Dialoge die Zeilen nicht füllen, stehen auf einer Normseite im Schnitt eher 250 als 300 Wörter.

Ein Roman mit 80.000 Wörtern ergibt damit grob 300 Normseiten. Agenturen und Verlage nennen in ihren Einsendehinweisen oft, in welchem Format sie Leseproben wollen, häufig als Word-Datei oder PDF in Normseiten. Richte dich nach diesen Vorgaben, nicht nach allgemeinen Regeln.

Typische Anfängerfehler beim Romanschreiben

  • Immer wieder das erste Kapitel überarbeiten, statt weiterzuschreiben.
  • Mit Vorgeschichte oder Weltbeschreibung beginnen, bevor die Handlung einsetzt. Bei Fantasy besonders verbreitet.
  • Erklären statt zeigen: „Er war wütend“ statt einer Tür, die ins Schloss fällt.
  • Perspektivsprünge mitten in der Szene.
  • Zu viele Figuren mit ähnlichen Namen. Der Namensgenerator hilft dir, Namen zu finden, die sich klar unterscheiden.
  • Kein Ende im Blick. Wer das Ziel nicht kennt, bleibt oft in der Mitte stecken.

Roman schreiben mit KI in Scenaloom

In Scenaloom legst du ein Romanprojekt mit Kapiteln an und siehst alle Kapitel auf der Kapitelübersicht. Neben jedem Kapitel steht seine Gliederung, über allem die Gesamtgliederung. In der Story-Bibel hältst du Genre, Stil mit Erzählperspektive und Zeitform, das Exposé und den Weltenbau fest, dazu Elemente wie Orte, Gruppen und für Fantasy Magie oder Technik.

Im Kapitel stehen dir die KI-Werkzeuge Weiterschreiben, Umschreiben, Beschreiben, Ausbauen, Ideen und Feedback zur Verfügung. Jedes liefert einen Vorschlag; in deinem Text ändert sich nichts, bis du ihn übernimmst, und übernommene Änderungen stehen im Verlauf. Den Roman schreibt die KI nicht für dich. Nützlich ist sie für Feedback zu einer Szene, für Varianten einer Beschreibung oder für Ideen, wenn du festhängst; Stimme und Entscheidungen bleiben deine.

Exportieren kannst du ausgewählte Kapitel als PDF mit Titelseite, Kapitelüberschriften und Seitenzahlen oder als reinen Text. Eine Word-Datei in Normseiten erzeugt Scenaloom nicht; dafür übernimmst du den Text in dein Textprogramm. Worauf du bei Schreibprogrammen allgemein achten solltest, steht im Ratgeber Roman schreiben Programm. Wenn du später einem Verlag ein Exposé schicken willst, hilft dir der Ratgeber Exposé schreiben. Kostenlos starten

Häufige Fragen

Wie fange ich an, einen Roman zu schreiben?

Mit einem Satz, der die Geschichte zusammenfasst, und einem festen Schreibziel. Kenne Anfang, Mitte und Ende grob, und beginne dann mit der ersten Szene, nicht mit der Vorgeschichte.

Wie viele Wörter hat ein Roman?

Die meisten Romane haben etwa 60.000 bis 120.000 Wörter. Fantasy ist oft länger, Krimis und Liebesromane liegen häufig im unteren Bereich. Für ein erstes Manuskript sind 70.000 bis 90.000 Wörter ein gutes Ziel, das sind grob 250 bis 350 Normseiten.

Was ist eine Normseite?

Eine Normseite ist die Maßeinheit für Manuskripte im deutschsprachigen Verlagswesen: 30 Zeilen mit je bis zu 60 Anschlägen, also höchstens 1.800 Zeichen. Verlage, Agenturen und Lektorate rechnen Umfang und Honorare oft in Normseiten.

Kann ich einen Roman mit KI schreiben?

Du kannst KI beim Schreiben nutzen, den Roman schreiben solltest du selbst. Sinnvoll ist KI für Feedback, Varianten und Ideen, wenn du festhängst. Eine Geschichte, die ganz von der KI stammt, hat selten eine eigene Stimme.

Wie lange dauert es, einen Roman zu schreiben?

Das hängt vom Tempo ab: Bei 500 Wörtern am Tag steht eine erste Fassung mit 80.000 Wörtern nach gut fünf Monaten. Die Überarbeitung dauert oft noch einmal so lange.

Brauche ich ein Exposé für meinen Roman?

Erst, wenn du ihn einem Verlag oder einer Literaturagentur anbietest. Dann gehören meist ein Exposé mit der ganzen Handlung samt Ende, eine Leseprobe und ein paar Sätze über dich dazu.